Montag, 7. September 2009

1/08 Confidence Man (Erik)

Ich mag Sawyer-Flashbacks nicht, denn deren Inhalt ist bis auf Outlaws immer der gleiche, er betrügt andere Leute. Auch wirkt die hier aufkommende, aggressive Stimmung schon sehr übertrieben.

SAWYER FLASHBACKS

Die beste Geschichte, die ich je über diesen Flashback gehört habe, stammt von einem Fan, der geglaubt hatte wir sehen den echten Sawyer, also Anthony Cooper, wie er James Fords Eltern dazu bringt sich selbst umzubringen. Enttäuscht war er dann schon, als er die Wahrheit erfuhr.
Neben der Tatsache, dass das der erste Flashback ist, der nicht zeigt, wie einer der Charaktere nach Australien und in das Flugzeug kam, ist mir hier nur ein was Interessantes aufgefallen. Die Erwähnung von David mit einem loophole, bekanntermaßen sucht Samuel verzweifelt nach einem, um Jacob zu töten.

LOCKE

Schon ganz schön fies, dass er Sayid das Messer gibt, obwohl er selbst genau weiß, dass Sawyer ihn nicht K.O. geschlagen hat, sondern er selbst. Er löscht auch sofort jeden Zweifel aus Sayid, als er die Geschichte mit der Zigarette anführt. Zum ersten Mal agiert Locke gegen einen aus der Gruppe und denkt nur an sich selbst.

WATERSHIP DOWN

Das ist mehr Werbung als bedeutende Hinweise für Lost. :-)
Ich finde dieses Buch spitze. Es beschreib den Auszug einiger Kaninchen aus einem bedrohten Gehege, die ein neues Zuhause finden müssen. Sie handeln zwar wie Kaninchen, zeigen aber durchaus menschliche Eigenschaften und Gesellschaftsformen. Außerdem besitzen sie eine Art eigene Religion, mit einem Gott, und einem Erlöser.
Es ist hervorragend geschrieben und ich kann es nur jedem empfehlen zu lesen.
Ach ja es gibt ein Kapitel das Deus ex machina heißt, um noch einen kleinen Lost-Bezug zu haben.

ANDERE CHARAKTERE

Furchtbar was uns da angeboten wird.
Boone ist so blöd und durchstöbert Sawyers Sachen selbst, anstatt ihn zu fragen. Da wäre ich an Sawyers Stelle auch ausgerastet. Shannons Asthma hält diese zum Glück für eine Folge still.
Jack und Sayid drehen beide ziemlich durch und halten eine Folterung für das richtige, aber irgendwie ließ mich das immer kalt. Wenigstens kommen hier Sayids wahre Charakterzüge langsam zum Ausdruck. Desweiteren geht es dank Kate mit dem furchtbaren Love-Triangle weiter.
Die Charlie-Claire-Familiengeschichte aber auch. Claire ist bis auf ihre Entführungen eine der langweiligsten Lost-Figuren überhaupt, ein Grund warum ich sie in Staffel 5 zu keiner Minute vermisst habe. Charlie schafft es sogar Hurley auf die Nerven zu gehen, Respekt, dass er das hinkriegt.
Schön finde ich aber, dass hier schon angedeutet wird, dass Hurley mal ein geheimes Vorratslager hat. :D

BODYCOUNT

Sawyer hätte es fast erwischt, aber der Zähler bleibt konstant.

Summe: 7

FAZIT:
Eine unterdurchschnittliche Folge, die lange von der Spannung des Flashbacks und Sawyers Vergangenheit lebt. Leider werden hier schlechte Beziehungen angedeutet und den nervigen Charakteren zuviel Screentime gegeben. Wenigstens bringt Sayids Exil nun einiges in Schwung, sodass das kurze Tief ein Ende hat.


Nachgedanken:
- es gibt nichts Neues zu dieser Folge zu sagen

1/07 The Moth (Erik)

Jack wird in den Höhlen verschüttet und uns wird der Drogen- und Rocker-Flashback von Charlie gezeigt. Ersteres ist ein Lückenfüller, Letzteres langweilig und nervtötend, wie alle Charlie-Flashbacks. Wenigstens sorgt Sayids nächster Rettungsversuch und die mysteriöse Attacke auf ihn für etwas Abwechslung.

CHARLIE

Am Ende trifft er zwar eine vernünftige Entscheidung und macht sich endlich einmal nützlich, doch größtenteils geht er den anderen Überlebenden auf den Nerven, sei es am Strand oder in der Höhle. Selbst die Insel scheint schon genug von ihm zu haben, oder warum sonst stürzt die Höhle bei "bloody rockgod"ein? :D
Jack deutet bereits Charlies Tod an, denn er wird schließlich in einem Raum an Sauerstoffmangel sterben. Ob Jack vielleicht auch so stirbt?

LOCKE

Er weiß wieder mal wo es langgeht und schafft es, dass sich Charlie schließlich von seinen Drogen trennt. Genial was für einen darwinistischen Satz und Gleichnis er mit dem Nachtfalter dafür verwendet. Am Ende triumphiert er dann.
Warum schlägt er Sayid nieder? Offenbar will Samuel noch nicht, dass die Losties schon Wege finden von der Insel zu kommen, da sie noch einige Dinge auslösen müssen, die wichtig sind für seinen Plan. Locke hilft ihm dabei, wo er nur kann und zerstört beinahe jede Möglichkeit für sie, von der Insel zu kommen.

ÜBERLEBEN UND RETTUNG

Ein letztes Mal arbeiten Sayid und Kate zusammen für die Rettung. Es ist schon bemerkenswert, dass die beiden nach der Zerstörung von Sayids Ausrüstung kaum noch gemeinsame Szenen haben und so gut wie gar nicht mehr zusammenarbeiten. Etwas seltsam ist nur, warum keiner den Sendeturm sieht, wenn sie sich doch innerhalb des Dreiecks befinden und niemand nach ihm sucht. Wie schon einmal erwähnt, so ein Gebäude sticht doch ins Auge.
Das Thema Rettung ist dann erstmal zur Seite gelegt, bis eine neue Möglichkeit mit dem Floß aufkommt.
"We shouldn't survived", der interessanteste Satz dieser Folge. Er bestätigt das, was auch der Zuschauer vermutet, wie es soviele, bei einem solchen Absturz, schaffen konnten zu überleben. Vielleicht sind sie wie bei Ajira 316 herausgeflasht worden, zwar nicht ganz schmerzfrei, aber deutlich sicherer.

ANDERE CHARAKTERE

Boone und Shannon verhalten sich mal wieder wie ein nerviges Ehepaar, zum Glück bleibt das die einzige Szene zwischen den beiden und Shannon macht was Nützliches, als sie die Rakete zündet, was letztlich doch nichts bringt.
Als Hurley Charlies Gitarrenkoffer zu ihm bringt, musste ich gleich mal an den ominösen Koffer denken, den er in der ganzen 5. Staffel mit sich trägt.
Was hätte wohl Charlie zu einem Redshirt gesagt, wenn da noch einer gestanden hätte? "Du bist unwichtig, du bist bereits auf der Insel tot." :D
Hier beginnt die Steve-Scott-Verwirrung, die noch lange anhält.

BODYCOUNT

Jack hätte es erwischen können und Charlie auch, aber so bleibt der Counter konstant.

Summe: 7

FAZIT:
Eine erschreckend schwache Folge, die uns sehr langweilige Flashbacks und eine Lückenfüller-Handlung präsentiert. Für etwas Besserung sorgt der Versuch zur Rettung von Sayid, Kate und Boone, und das geheimnisvolle Niederschlagen von Sayid.


Nachgedanken:
- Jack stirbt nicht an Sauerstoffmangel, sondern an schweren Verletzungen
- ich denke immer noch, dass Locke auf "Befehl" Smokeys" Sayid niedergeschlagen hat
- auf das Herausflashen möchte ich mich nicht festlegen, aber es ist dann wohl doch die naheliegendste Lösung

1/06 The House Of The Rising Sun (Erik)

Jack will in den Höhlen leben, was zur ersten Trennung der Gruppe führt, während Jin Michael angreift wegen einer Uhr und dazu noch ein Sun- Flashback. So richtig hat das alles nicht gepasst und wir sehen nach Tabula Rasa wieder eine schwächere Folge.

THE HOUSE OF THE RISING SUN

Es scheint sich bei dem Titel offensichtlich nur um eine Anspielung auf Südkorea zu handeln, doch wenn wir mehr von Lost sehen, kann man das auch auf Sun interpretieren. Die aufgehende Sun, die von der unterdrückten Ehefrau immer selbstbewusster und dann sogar zu einer mächtigen Geschäftsinhaberin wird, sodass sich sogar ihr Vater vor ihr beugen muss.

SUN FLASHBACKS

Wir erfahren ausgerechnet in einer Folge, in der es um Höhlenerkundung und Gruppentrennung geht etwas über die uns noch völlig fremde Sun, die bisher unterwürfig ihrem Mann dienen musste und keinerlei eigene Handlungen unternehmen durfte. Diese Sichtweise ändert sich radikal. Wir erfahren, dass Sun die Tochter eines mächtigen Geschäftsinhabers ist und Jin ein so kleines Licht, dass er für seinen Schwiegervater arbeiten muss, damit er sie überhaupt heiraten darf. Diese Arbeit und nicht Jins herrscherisches Auftreten sind es, die ihn so verändern lassen, aus ihm einen schlechteren Menschen machen, als er eigentlich ist. Das merken wir, als er Michael wegen der Uhr, die er im Auftrag seines Schwiegervaters ausfliegen muss, angreift. Parallel dazu entwickelt Sun ihr Talent fürs Lügen aus und lernt sogar eine andere Sprache, auch wenn diese Thematik in meinen Augen zu überspitzt dargestellt wird. Was ist denn so verwerflich daran eine Fremdsprache zu lernen? Die Symbolik der Blumen rettet aber die Ehe vorerst.

ADAM UND EVA

Wir stoßen auf ein weiteres Geheimnis, dass uns anfangs nur klarmachen soll, dass schon vorher Menschen auf der Insel gelebt haben, aber ein völlig neues Level erreicht, als uns die Autoren eröffnet haben, es sei ein Beweis für die Durchdachtheit der Serie. So nahmen viele an es handele sich um bekannte Losties, die während einer Zeitreise gestorben sind. In Staffel 5 kommt es tatsächlich so und die geeignetsten Kandidaten wären die Nadlers. Als einzige Personen schaffen sie es friedlich auf der Insel zu leben und es liegt nahe, dass sie auch friedlich in den Höhlen gestorben sind. Noch dazu ist das Anagramm in 3x07 ein deutlicher Hinweis.
Andere Personen wären aber auch nicht ausgeschlossen, Ironie wäre es wenn sich Jack und Kate selber gefunden hätten. Genial noch dazu, da Kate meint sie will nicht Eve sein, was noch dazu die Kurzform des Namens ihrer Schauspielerin ist. Und für Jin und Sun wäre es nach deren ewigen, zeitlichen Trennung eine Erlösung zusammen zu leben und zu sterben. Auch sie wären möglich.
Es gibt aber auch andere Kandidaten, die jedoch oftmals sehr weit hergeholt wirken.

LOCKE

Erneut ist der Mann rätselhaft, er kriegt als Erster mit, dass Charlie Drogen nimmt und ist nun auf einmal Driveshaft-Fan um Charlie zu ködern, damit er seine Drogen aufgibt. Symbolisch die Szene, als er sagt, jeder müsse der Insel etwas geben und Charlie gibt das Heroin direkt an Locke. Besonders in der Szene beweist er eine phänomenale Übersicht, als er Charlie erst danach auf die Gitarre aufmerksam macht.

ZEITREISEN

"Time doesn't matters", Michael hat damit sowas von Recht und es ist wiedermal ein Hinweis in Richtung Zeitreisen. Denn was nützt es dir zu wissen wie spät es ist, wenn du er in den nächsten Sekunde in einer völlig anderen Zeit herauskommst. Die ganze Fixierung auf Uhren, wie hier, stellt damit einen Gegensatz dar.

GRUPPENSPALTUNG

Ein beliebtes und meiner Meinung durchgehend gut angewandtes Element ist das der Gruppenspaltung, hier findet eine der ersten statt, als es darum geht, wer in den Höhlen und am Strand lebt. Diese ist noch drastisch vereinfacht, da sich die Leute regelmäßig treffen. Doch es steigert sich immer mehr, Höhepunkt die zeitliche Trennung in Staffel 5.

ANDERE CHARAKTERE

Charlie nervt mal wieder furchtbar, zuerst die Aktion bei dem Bienenstock, und dann der Spruch in Richtung Kate. Wenigstens die vorzeitige Aufgabe der Drogen rückt ihn in ein etwas besseres Licht.
Eine der schlechtesten Lost-Folgen wird angedeutet, als Kate mit Jack über seine Tattoos redet. Wenn Jack einfach mal das Maul aufgerissen hätte, wäre uns dieses grauenhafte Stranger in a strange land erspart geblieben.
Wir wissen nicht viel über die Redshirts, aber wir wissen, dass sie fehlende Zivilcourage haben. Gemütlich schauen sie zu wie Jin Michael vermöbelt, sodass erst Sawyer und Sayid die beiden trennen müssen.
Und hier beginnt das grauenhafte Love-Triangle.

BODYCOUNT

Adam und Eva, die vielleicht geheimnisvollsten Toten. Mal sehen wer sie nun wirklich sind.

Summe: 7

FAZIT:
Eine unspektakuläre Folge, die zum ersten Mal zeigt, dass nicht immer ein Flashback notwendig ist, sondern auch überflüssig oder falsch platziert wirken kann. Das ist jedenfalls der Auftakt von einem kurzen Tief.


Nachbetrachtungen:
- Adam und Eve waren dann doch kein Beweis für die Durchdachtheit der Serie, sondern der endgültige Beweis, dass die Autoren nie eine wirkliche Ahnung hatten, was sie mit Lost von Anfang an machen wollten
- es lässt die Folge deshalb etwas trauriger und noch langweiliger erscheinen, zu wissen, dass Adam und Eve zwei völlig andere Charaktere sind, denn irgendwie scheint jede Möglichkeit, dass es bekannte Losties sind besser
- selbst Jacks Beobachtung, dass die Knochen von Adam nicht groß beschädigt sind, widerspricht dem was in Across the Sea zu sehen ist

1/05 White Rabbit (Erik)

Lost ist und bleibt mysteriös und undurchschaubar, auch in einer guten ersten Jack-Folge, die uns die Probleme mit seinem Vater näherbringt.

WHITE RABBIT

Zunächst ist es eine offensichtliche Anspielung auf all die weißen Hasen, die im Laufe der Serie noch vorkommen werden. Die Dharma-Versuchskaninchen mit den Nummern oder der unheimliche Hase des Zauberers in Rays Altersheim.
Allerdings gibt es noch eine andere viel genialere Verbindung. In dieser Folge taucht der Begriff in Verbindung mit Alice im Wunderland auf. Locke vergleicht es mit Christian, der Jack halb wahnsinnig durch den Dschungel folgt. In dem Roman verschwindet das weiße Kaninchen in einem Loch, in Lost dagegen verschwindet eine bekannte schwarze Rauchwolke manchmal in einem Loch. Ein genialer Hinweis, dass die Christian-Erscheinung Smokey ist.

CHRISTIAN- ERSCHEINUNG UND SAMUEL

Lange Zeit war das ein Geheimnis, ob Christians Erscheinung nur Jacks Halluzinationen entspringt oder tatsächlich existiert. So sieht er in dieser Folge als einziger Christian, Kate kann ihn nicht im Wasser erkennen, genauso wenig Boone. Doch im weiteren Verlauf merken wir, dass auch andere Losties fähig sind Christian zu sehen und sogar mit ihm zu reden. Das ausgerechnet ein solcher Versager und Säufer als der Christian Shephard gestorben ist, allwissend auf der Insel rumgeistert, hat mich schon immer stutzig gemacht. Nun ist wohl klar nach Staffel 5, dass es Samuel war, der diese Erscheinung hervorgerufen hat. Der Grund ist genau wie bei Locke dann wohl der, dass er eine sehr reale dauerhafte Form der Personen annehmen kann, die tot auf die Insel kommen. Jedenfalls nutzt er diesen Körper zunächst um Jack in den Dschungel, und zu den Höhlen zu führen, damit das dringende Problem Wasser gelöst wird. Aber halt: Warum lässt er ihn fast in den Tod stürzen?
Eine wirklich zufriedenstellende Erklärung gibt es da nach wie vor nicht, aber womöglich wollte er ihn direkt zu Locke führen, damit dieser Jack weiter überzeugen kann Christian zu den Höhlen zu folgen.
Hier bemerken wir die erste deutliche Veränderung von Locke, er weiß genau das richtige, was er zu Jack sagen muss, sodass dieser weitergeht (ganz im Sinne von Samuel und Christian), er übernimmt selber Verantwortung als er das Wasser sucht und er sagt Sätze, die eindeutig auf seine Begegnung mit Smokey hindeuten: "I've looked into the eye of this island and what I saw - was beautiful!" Wir merken, dass Smokey nicht als die dunkle Rauchwolke kam, sondern als das helle Licht, dass er auch gegenüber Eko erwähnt.
Schließlich findet Jack die Höhlen, aber einen leeren Sarg. Wie wir von Locke wissen hat seine Leiche trotz der Körperübernahme weiter unverändert existiert und konnte Richard und den Others als Beweis vor die Füße geworfen werden. Da hatte Samuel vielleicht aber auch nicht die Zeit, die Leiche verschwinden zu lassen, wie er es denke ich mal bei Christian gemacht hat, um Jack endgültig in dem Glauben zu lassen sein toter Vater wäre wiederauferstanden.

WASSER

Zweimal spielt Wasser eine große Rolle in dieser Folge, zum einem kostet es Joanna das Leben und fast auch Boone, zum anderen wird es knapp im Camp, sodass ernsthafte Sorgen bestehen wie es weitergehen soll. Durch die Höhlen löst sich das Problem wie von selbst und außer der Transportfrage in der nächsten Folge ist dieses Grundproblem von Gestrandeten auch in keiner weiteren Folge von Lost ein Thema, weder nach der Aufgabe der Höhlen noch der Hatch-Implosion. Und hier dient es auch mehr für die "trust issues". Boone disqualifziert sich für alle Zeit als Anführer und einer der Verantwortung übernehmen kann.

JACKS FLASHBACKS

Wir merken deutlich, Jacks kompletter Werdegang bis zum Absturz auf der Insel wurde massiv von seinem alkoholabhängigen Vater gelenkt, mehr zum Schlechten als zum Guten. So traut er nicht Jack zu, der am liebsten alle retten würde, wie wir in der Folge deutlich merken, dass er fähig ist richtige Entscheidungen zu treffen. Christian selber wird sich zwar zu Tode trinken, charakterlich zu schwach sein, um sich zu entschuldigen, aber er hat Recht. Jack trifft viel zu oft überhastete, kaum durchdachte Entscheidungen, die mehr Leid verursachen als wirklich helfen. Auch die Aktion mit Jughead im Staffel 5 Finale wird wohl nicht den Effekt bringen, den sich Jack erwünscht.
Dank 2x20 und 3x12 wissen wir nun, dass der Grund für Christians Besuch in Australien, Claire war. Enttäuscht über die eine Familie, versucht er es bei den anderen und wird wieder abgelehnt. Der Anstoß für sein letztes, großes Besäufnis.
Allerdings ist es schon fast unheimlich, wieviele Charaktere er dadurch auf dem Weg zu Oceanic 815 bringt.

ANDERE CHARAKTERE

Boone, der geniale Rettungsschwimmer, als der er schon in der ersten Folge kläglich gescheitert ist, versagt hier noch mehr und ertrinkt fast selber dabei. Wäre er niemals geschwommen, Joanna hätte nicht sterben müssen. Danach ist er zu blöd für das ganze Camp Verantwortung zu übernehmen, als er Jacks Wasser stiehlt und lässt Claire deswegen fast abnippeln. Sawyers Sätze über ihn sind genial.
Charlie bekommt endlich von weiblicher Seite mal Aufmerksamkeit, nachdem er wohl alle Singles der Überlebenden angequatscht hat. Der Beginn einer äußerst nervigen Beziehung zu Claire, die erst in Staffel 3 halbwegs interessant wird.
Die Verhandlung zwischen Shannon und Sawyer über die Sonnencreme ist genial, am besten die Pause, das Grinsen, als er sagt, dass ihr Geld nichts nützt.

UNLOGIKKEITEN UND SELTSAMES

Die Fackeln sind eine der seltsamsten und unsinnigsten Gegenstände in Lost. Es ist immer wieder deutlich zu sehen, wie eine brennbare Flüssigkeit heruntertropft und dann weiterbrennt. Desweiteren ist es seltsam, dass die Losties noch nicht den ganzen Wald abgefackelt haben, wie sie zum Teil durch den Dschungel rennen.
Rätselhaft bleibt die Herkunft der Puppen in den Höhlen. Da diese aber nie wieder vorkommen, außer kurz in Charlies Traum, als sein Vater welchen den Kopf abhackt, haben sie wohl keine größere Bedeutung in der Serie.

BODYCOUNT:

Joanna ertrinkt, ein weiterer Redshirt weg. Christian Shephard stirbt an einem einfachen Herzinfarkt, aber sein Tod hat weitreichende Folgen für den ganzen Verlauf der Serie.

Summe: 5

FAZIT:
Eine mysteriöse und unheimliche Folge, die uns zum ersten Mal mit dem Thema Wiederauferstehung konfrontiert und mit Christians Erscheinung ein weiteres großes Geheimnis hervorbringt. Jack wird hier unglaublich gut charakterlich dargestellt, was im krassen Gegensatz zu noch manchen todlangweiligem Flashback in späteren Folgen steht.
Seine Rede über das Zusammenhalten rundet das ganze ab, zwei Wortwendungen charakterisieren jeweils die Einstellung einzelner Losties: "Live together, die alone" und "Every man for himself".


Nachbetrachtungen:
- das Christian, von Smokey dargestellt, nur für Jack sichtbar ist, ist dann wohl letztendlich der Dramaturgie geschuldet
- auch nach Staffel 6 bleibe ich bei der These, dass es Smokey selbst war, der Christians Leiche versteckt, um Jack glauben zu lassen, sein Vater wäre wirklich auferstanden

1/04 Walkabout (Erik)

Diese Folge ist immer wieder genial anzusehen und die beste von denjenigen, die direkt nach dem Piloten kommen. Der unheimliche Locke wird uns näher gebracht und eine Veränderung mit ihm vollzogen, die Lost bis in Staffel 5 hinein massiv beeinflusst.

LOCKE UND SMOKEY

Da will ich gleich zum größten Mysterium dieser Folge kommen, Lockes Begegnung mit Smokey alias Samuel. Nicht nur, dass Locke endlich durch die Ankunft der Wildschweine auftaut und seine Messer präsentiert, was uns schon alle stutzig macht, nein zusätzlich geht er auf Jagd und lässt sich auch durch Michaels dämlichen Unfall nicht von seinem Vorhaben abbringen, die große Wildsau zu töten. Schon vor der Begegnung strahlt er einiges an Tatenkraft aus, die aber noch reichlich unsicher wirkt. Dann kommt Samuel alias Smokey und irgendwas passiert mit Locke.
War er bisher still und zurückgezogen und hat lediglich mit Walt und Michael geredet, so wird nun aus ihm eine Art Oberguru, der alles über die anderen zu wissen scheint, noch dazu über die Insel. Er trifft weise Entscheidungen, weiß fast immer was zu tun ist und hilft den anderen. Dies alles ist, denke ich, auf Samuel zurückzuführen, der ihn bei dieser Begegnung mit wunderschönem, hellen Licht verändert, um zum einen die Person auszuwählen deren Körper er übernehmen wird und andererseits Locke selbst auf die Spur zu bringen. Samuel beginnt also seinen langen Plan Jacob zu töten, denn er hat hier endlich sein loophole vor sich. Vermutlich stammt auch von ihm die Wunderheilung, damit Locke noch stärker an die Insel glaubt, verstärkt wird das Ganze durch Lockes Glauben an das Schicksal und das alles aus einem bestimmten Grund passiert.

ZEITREISEN

Ob die Autoren von Anfang an die Zeitreisen mit hinein nehmen wollten wage ich zu bezweifeln, dennoch gibt es bereits hier von Charlie eine erste Andeutung, dass sie Zeit im Überfluss hätten.
Auch war es immer wieder seltsam woher Rose so genau wusste, dass Bernard noch am Leben ist. Vielleicht hat sie es irgendwie von einem zeitreisenden Bernard erfahren.

ERSCHEINUNGEN

Zum ersten Mal sehen wir auch eine Smokey-Erscheinung, Christian in seinem Anzug und den weißen Turnschuhen, die eigentlich noch in einem Baum baumeln müssten. Auch hier gibt es Andeutungen, dass Christian, Samuel und Smokey zusammengehören, denn er führt Jack genau auf Locke zu, der gerade das Wildschwein abschleppt. Apropos Wildschwein, den ersten Dienst den Locke für die ganze Gruppe erweist ist es ein Wildschwein ins Camp zu bringen, das gleiche macht Flocke auch bei den Others.

RETTUNG UND ESSEN

Auffallend schon hier, wie wenig die Rettung den meisten bedeutet. Nur Sayid und Kate machen etwas dafür und werden für ihre Mühen noch nicht einmal belohnt. Sayid resigniert zum ersten Mal sogar, ein weiteres Zeichen, dass die Rettung in weiter Ferne liegt.
Richtige Vermutungen von Sayid, dass es einen Sendeturm gibt, als er meint irgendwo auf der Insel müsste es einen solchen geben. Das der drei Staffeln lang nicht gesehen oder gesucht wird ist schon sehr seltsam, da einem so ein Gebäude eigentlich ins Auge stechen müsste.
Dagegen will Jack schon das Wrack abbrennen lassen mit den ganzen Toten.

Das geniale an Lost, Grundbedürfnisse von Überlebenden wie Nahrung werden lapidar nebenbei abgehandelt. In dieser Folge ist es das zentrale Thema, hat sich aber schon bald erledigt und wird nur noch mal kurz in der 13. Folge aufgegriffen und dann erst wieder während der Zeitreisen. Hier wird schon deutlich, dass Lost einen völlig anderen Weg geht, als übliche Serien mit Überlebenden auf einsamen Inseln.

LOCKE FLASHBACK

Was wir sehen ist ein Mann, der scheinbar einen sehr geheimnisvollen Job hat, plötzlich kommt Randy schnauzt ihn voll und wir sehen, dass er in einer stinknormalen Firma arbeitet. Genial wie hier bereits zwei signifikante Geräusche für die Figur Locke vorkommen, das Drücken von einer Taste und das Smokey Geräusch beim Rattern dieses Automaten. Und wäre Locke zwischendurch in den Supermarkt gegangen, wir hätten auch das dritte Geräusch gehört, den Alarm der Swan-Station.
Wir erfahren, dass er an das Schicksal glaubt, aber von Randy zurechtgewiesen wird. Alle Zuschauer denken wohl an dieser Stelle, was für eine Labertasche, er ist doch auf bestem Wege sich in der Gruppe hochzuarbeiten. Außerdem wird er doch noch Anführer der Others. Aber Randy hat Recht, Locke wird niemals ein Anführer sein, sondern immer ein manipulierter Mann, der die zweifelhafte Ehre hat Teil eines großen Planes zu sein. Selbst die Tatsache, dass er wieder gehen kann, hat letztlich nichts Besonderes an sich.
Außerdem erleben wir auch den wahren Wut-Locke, zum einen bei seinem Telefonat mit Helen und dann wieder bei dem Walkabout-Fritzen. "Don't tell me what I can't do" wird eines seiner geflügelten Worte, es gibt so vieles, dass er nicht kann.
Und trotzdem es ist und bleibt einen der besten Szenen von ganz Lost, die einem immer wieder Gänsehaut hervorrufen lässt, als der Blickwinkel auf seinen Rollstuhl gleitet und wir gleich danach bei einer grandiosen Musik seine Auferstehung sehen.
Übrigens steht diese im krassen Gegensatz zu der Tatsache, wie er von den Insel kommt. Beim Absturz merkt er, dass er wieder gehen kann, beim Teleportieren in die Wüste liegt er reglos mit gebrochenem Bein am Boden.

ANDERE CHARAKTERE

Das von mir erschaffene Nervtriangle aus Boone, Charlie und Shannon erreicht kurz seinen Höhepunkt. Charlie ist kurz davor sich in die Hose zu machen, als Shannon ihn anspricht und er für einen Moment doch tatsächlich glaubt, sie erinnere sich an ihn. Dann kommt die Sache mit dem Fisch und Charlie steht schon ziemlich dumm da, als er merkt, dass Shannon ihn nur ausgenutzt hat. Wir bekommen aber immerhin das Komikerduo Charlie-Hurley serviert.
Michael ist aber der Höhepunkt an Dämlichkeit, obwohl Locke eindeutige Zeichen macht, was bedeutet, dass man lieber ruhig sein soll, schreit er rum und wird angegriffen. Ah ja und warum bringst du Walt zu der einzigen von zwei Personen von denen du denkst sie sprechen nicht deine Sprache?
Schön fand ich Sawyers "jackass" Bemerkung in Richtung Jack. :D

BODYCOUNT

Uns wird Locke suggeriert und ich habe es auch geglaubt, aber er ist es nicht, denn aus ihm wird viel mehr. Wir sehen zwar einen Toten rumwandern, aber hier treibt nichts den Bodycount in die Höhe.

Summe: 3

FAZIT:

Eine der besten Folgen der ersten Staffel, in denen die Weichen für eine grandiose Charakterentwicklung gelegt werden, die sich letztendlich als eine der größten Täuschungsmanöver der ganzen Serie herausstellt. Herrliche Gänsehautszenen, und ein bisschen Mystik runden das Ganze ab. Da stört es fast nicht, dass einem einige Charaktere total auf den Senkel gehen.


Nachbetrachtungen:
- noch immer bleibe ich dabei: Smokey wählt hier Locke als sein loophole-Opfer aus
- die Heilung Lockes würde ich dann aber doch eher den Kräften der Insel zuschreiben, denn auch in Staffel 6 war nichts von irgendwelchen Heilfähigkeiten Smokeys zu sehen
- das Locke ein helles Licht gesehen hat bei seiner Bemerkung mit Smokey lässt sich jetzt gut damit erklären, dass Smokey aus der Lichthöhle heraus enstanden ist
- Rose Wissen bleibt immer noch kryptisch, vermutlich hat es aber allein den Zweck anzudeuten, dass die Tail-Section noch eine Rolle spielen wird; andererseits sehen wir einige zeitlich unbestimmte Flashes, der zeitreisende Bernard ist also nicht komplett auszuschließen

1/03 Tabula Rasa (Erik)

Nach dem Piloten pegelt sich Lost in sein bekanntes Schema ein und beginnt damit pro Folge die Vergangenheit eines Charakters näher zu beleuchten. Der erste dieser Flashbacks handelt von Kate und bekanntermaßen sind das Folgen, die eher im unteren Drittel von Lost angesiedelt sind. So auch diese.

TABULA RASA

Der Name dieser Folge, der unbeschriebene Tafel bedeutet, ist eine Anspielung auf den Neubeginn aller Charaktere (nicht nur Kate), aber auch schon ein versteckter Hinweis auf Jack in Staffel 5, der erneut einen Neuanfang starten will. Auch erinnerte mich der Titel an die Tafel, die Jack symbolisch in der Dharma-Schule abwischt.

LOCKE

Der Mann ist und bleibt mysteriös, diesmal redet er zumindest mit Michael, zeigt aber den anderen noch immer die kalte Schulter. Ein Motiv, warum er Walt hilft, Vincent zurückzubekommen, ist mir immer noch nicht ganz klar und auch nicht weshalb er will, dass Michael ihn zurückbringt. Sein Ausdruck in der Schlusszene ist so unheimlich und nichtssagend, dass man keine Ahnung hat, ob er das nun als edle Tat oder zum Selbstzweck getan hat. Hier wird schon deutlich, dass er zu Samuel einige Parallelen hat.

MICHAEL UND WALT

Wieder mal werden seltsame Eigenschaften bei Walt bemerkbar. Kaum verspricht sein Dad, dass er nach dem Regen nach Vincent suchen will, schon hört es auf mit Regnen. Hier merken wir, dass Michael so gut wie nichts über seinen Sohn weiß, wie es Walt schon im Piloten Locke erzählt hat. Auf die Frage wie alt er ist, muss Michael sich korrigieren.
Das Tier, dass ihn verfolgt und direkt zu einem oberkörperfreien Anblick von Sun führt, ist wohl ein Wildschwein, da diese Viecher in der nächsten Folge das Wrack gründlich durchwühlen.

KATE

Schon hier fängt mein Hass auf diesen Charakter an. Dieser ständig gleiche falsche Gesichtsausdruck zu sehen, den einzigen den Evangeline Lilly wohl kann, ist einfach irgendwann nervig und passt zu der ganzen Falschheit dieses Charakters. Warum musste man für die weibliche Hauptrolle nur so eine unterirdische Schauspielerin casten?
Im Flashback nutzt sie die Gutmütigkeit des Farmers Ray aus, will aber dann doch davonrennen, ehe es zu brenzlig wird. Ironischerweise kann Ray sie zum Bleiben überreden, wodurch er Kate erst ausliefern kann. Doch das sie im Flugzeug landet hat sie nur der Tatsache zu verdanken, dass sie Rays Leben retten will. Respekt Kate, das ist eine der wenigen guten Eigenschaften von ihr.
Noch ein schöner Neuanfangs-Bezug von Ray, als er ihr sagt, dass jeder einen Neustart verdient hat.

ANLÜGEN UND GEHEIMNISSE

Hier geht es los mit dem ständigen Anlügen als Jack allen verheimlicht, dass Kate eine Flüchtige ist und die Transceiver-Gruppe beschließt, den Inhalt des Funksignals geheimzuhalten. Kate hält sich nicht daran und so kommen auch schon "trust issues" vor. Desweiteren treten hier moralische und ethische Probleme auf, als es darum ging den Marshall zu töten. Jack will ihn um jeden Preis retten, auch wenn er dafür noch soviele Pillen verbraucht. Hier hat er Bedenken einen Fast-Toten den letzten Stoß zu geben, am Ende von Staffel 5 hat er keinerlei Bedenken, womöglich alle Menschen auf der Insel mit der Atombombe zu töten.
Doch er ist der erste von den Losties der jemanden auf der Insel tötet, nachdem Saywer zu blöd dazu war.
Super fand ich irgendwie, dass die eine Kugel aus der Waffe die ganze Folge darauf hindeutete, dass der Marshall heroisch von seinen Qualen erlöst wird, es aber nicht passiert. Für solche Dinge liebe ich Lost.

REDSHIRTS

In der ganzen Anfangsszene sind diese nur zu sehen, was mich als heimlichen Redshirt-Fan schon freut. Die Ironie der ganzen Sache. Die meisten von ihnen gammeln bereits irgendwo auf der Insel vor sich hin, sind also schon längst dem Untergang geweiht. Und Gott sei Dank stirbt dieser Psycho-Marshall so schnell bei Lost.

ZUSAMMENFÜHREN VON GETRENNTEN GRUPPEN

Ein Hauptelement von Lost, dass sich zwei getrennte Gruppen vereinen, hier sind es Vincent und Walt.

NERVIGE CHARAKTERE

Charlie sucht Aufmerksamkeit bei Locke als dieser die Pfeife bastelt und erzählt von Driveshaft. Locke lässt ihn eiskalt abblitzen, eine herrliche Szene.
Boone versucht Verantwortung zu übernehmen und klaut die Waffe. Natürlich wird er erwischt und steht wie ein Trottel da. Seine Schwester hilft auch noch kräftig mit.


BODYCOUNT

Edward Mars stirbt zum Glück schon jetzt und kommt nur noch in den Kate-Folgen vor. Er ist jedenfalls kein Charakter, den man sonderlich vermisst.

Summe: 3

FAZIT:
Eine mittelmäßige Folge als Einstieg in das Lost-Grundschema. Die Spannungen und Konflikte der einzelnen Charaktere machen das ganze etwas spannend, aber gerade Kates Gefangennahme und der Psycho-Marshall sorgen für keinen Hochgenuss dieser Folge.

Nachbetrachtungen:
- keine, da die Folge schon beim letzten Rewatch wenig Diskutierbares bot

1/01 und 1/02 Pilot (Erik)

Der Auftakt zu einer der genialsten Serien des 21. Jahrhunderts. Es wird deutlich, dass dies der teuerste je gedrehte Pilotfilm einer Serie ist. Schon die Einführung ist exzellent gelungen, es beginnt mit einem Mann, der überrascht im Dschungel aufwacht und geschockt wirkt. Danach werden wir in das Chaos des Flugzeugabsturzes eingeführt.

WAS LIEGT DA NEBEN JACK UND NOCH BESSER WARUM LIEGT ER DORT?

Verrückte, überzogene Theorien aufstellen, ist eines der Hauptdinge, die die Fans mit Lost machen werden. Das geschieht bereits mit der ersten Szene. Als einziger der ganzen Abgestürzten wacht Jack zweihundert Meter vom Wrack entfernt im Dschungel auf. Wollten die Autoren nur, dass wir mit einer bestimmten Person die ersten Minuten der Serie erleben, oder steckt mehr dahinter? 
Auffällig auch der schwarze, längliche Gegenstand, der direkt neben Jack liegt, und viel zu hell glänzt für ein Stück Bambus. Ist dies vielleicht schon Bens Teleskopschlagstock, den wir in späteren Staffeln zu sehen bekommen, oder ist es ein völlig anderer Gegenstand? 
Auch toll, hier werden als Erstes weiße Turnschuhe gezeigt, die ersten Dinge, die wir von einem anderen Abgestürzten sehen. Nun wissen wir, dass es Christians Schuhe sind, und in einer Mobisode sehen wir ihn sogar ganz in der Nähe, wie er Vincent, den zweiten Lost-Charakter, den wir zu Gesicht bekommen, zu Jack schickt, da er Arbeit hat. Nur, wenn Christian schon hier existiert, gehören dann die Schuhe gar nicht ihm, oder ist es der erste Hint auf Flocke, dessen Erscheinungsform auch völlig unabhängig von dem realen toten Locke existiert hat?

DAS CHAOS NACH DEM ABSTURZ

Den ersten Namen, den wir erfahren ist natürlich Walt, von Michael geschrien, die erste Person die wir schreien hören, Shannon. Und auch Jin hören wir schon, wie er nach Sun ruft. Jack wird hier als Held eingeführt, etwas das in den späteren Staffeln eher nervend wirken wird, und am Ende von Staffel 5 in einen absurden Antiklimax führt. 
Auch toll, wie er Locke, der gerade erst gemerkt hat, dass er laufen kann, zu sich ruft. Leider wirkt die ganze Szene viel zu actionreif und unrealistisch. Das die Turbine durch Gary Troup explodiert ist geradeso noch annehmbar, aber nicht, dass durch eine abstürzende Tragfläche eine riesige Explosion entsteht.

EINFÜHRUNG DER HAUPTPERSONEN

Jack ja, aber wir sehen sämtliche Charaktere, die mit jemanden zusammengeflogen sind wild kreischen, genauso Claire. Alle Einzelgänger wie Hurley, Sawyer, Sayid oder Charlie bleiben ganz gelassen, oder wir sehen sie erst nach dem Chaos. Und absolut interessant, im ersten Teil des Piloten sagen weder Sawyer (gut Sawyer hören wie im Hintergrund) noch Locke ein Wort. Beide sind mit die wichtigsten Lost-Figuren.

RETTUNG?

Schon kurz nach dem Crash werden Andeutungen gemacht, dass es so schnell keine Rettung geben wird. Boone hat keinen Empfang mit seinem Handy, und Sayid wundert sich, dass noch niemand gekommen ist. Schließlich erfahren wir vom Piloten, dass es mit Rettung eher schlecht aussieht, da sie den Kurs geändert haben. Hier wird deutlich, es wird länger keine Rettung geben für die Losties; Höhepunkt des Ganzen: die Rousseau Übertragung. 
Nach 5 Staffeln wissen wir, dass alles viel komplexer ist, da die Insel mit einer Zeitbarriere umgeben ist, und ständig durch Raum und Zeit wandert.

SMOKEY

Das lange Zeit größte und unheimlichste Mysterium wird auch ziemlich rasch eingeführt. Mittlerweile wissen wir mehr, und fragen uns warum Smokey in der ersten Nacht am Strand war, und dann den Piloten getötet hat. Ersteres könnte eine Warnung von Samuel sein, geht noch nicht in den Dschungel, bleibt am Strand, denn ich brauche erstmal nur den Locke. Daran müsst ihr euch gewöhnen, für mich sind Jacobs Gegenspieler, den ich Samuel nennen werde und Smokey ein und dieselbe Person/ Rauch oder was auch immer. :-) Vielleicht wollte er aber auch nur schauen, welche Neuankömmlinge Jacob denn jetzt schon wieder zur Insel gebracht hat. 
Warum tötet er den Piloten? Aus dramaturgischer und mystischer Sicht macht das für die Serie Sinn, da es den Horror- und Spannungsfaktor extrem ansteigen lässt. Solche Erklärungen sind mir aber zu lapidar, wenn man Lost verstehen will. Ich denke es liegt daran, dass Seth Norris nicht dazu bestimmt war Oceanic 815 zu fliegen, und es nicht seine Bestimmung war auf der Insel zu bleiben. Seltsam bleibt für mich immer noch, was für eine seltsame Gestalt Smokey annimmt, als er am Cockpit vorbeirauscht, und wie er es schafft diese Höhe zu erreichen, da er in 3/15 nicht über den Sonarzaun hinwegkommt. Vielleicht aber verwandelt er sich auch nur in dem Moment in einen toten Eisbären.

SCHWARZ - WEISS - PROBLEMATIK UND DAS SPIEL

Bereits jetzt werden dem Zuschauer eindeutige Hinweise gezeigt auf das große Spiel, oder was auch immer zwischen Samuel und Jacob vor sich geht. Locke, der seine einzigen Worte in diesem Piloten sagt, erklärt in dieser Szene ausgerechnet Walt Backgammon mit den Worten, die eine Seite ist hell, die andere dunkel. Desweiteren gibt es hier den ersten Hinweis auf frühere Kulturen (Mesopotamien), und die erste Erwähnung eines religiösen Elementes (Jesus Christus). 
Die nächste Spiel-Erwähnung kommt von Sawyer, der nach dem Erschießen des Eisbären und der Behauptung er sei der Gefangene des Marshalls, anfängt Rollen zu verteilen. Er selber ist der Gefangene, Sayid der Terrorist. Schon krass, dass Sayid bei seiner Rückkehr zur Insel der Gefangene ist, und eigentlich alle zu Terroristen werden, als sie die Insel mit der Atombombe sprengen wollen.

EISBÄREN

Schon hier kommt der erste, bestanimierte Eisbär vor, ein nächster Hint auf etwas absurd Mysteriöses und eigentlich Unlogisches. Es ist aber der erste Wink in Richtung Dharma und den Experimenten, die sie auf der Insel durchgeführt haben. Eisbären an das tropische Klima zu gewöhnen, war eines davon.

"GUYS, WHERE ARE WE?"

Rousseaus Übertragung ist das nächste große Mysterium: Ohne es zu wissen, da ich ein französisch Noob bin, wurde hier bereits die "Black Rock" und der Sendeturm eingeführt, zusammen natürlich mit der mysteriösen Französin selbst. Der Sendeturm wird schließlich das zentrale Element der Rettung der Oceanic 6 sein, und der Ausgangspunkt für das Verschieben der Insel. Der geniale letzte Satz dieser Folge ist das Hauptthema von ganz Lost. Was ist denn nun eigentlich diese mysteriöse Insel?

DIE ERSTEN FLASHBACKS

Schon im Piloten wird die Haupt-Erzählweise von Lost eingeführt, die Flashbacks, die die Vergangenheit der Charaktere erzählen. Hier gehen wir einmalig in die Sekunden kurz vor dem Absturz, beleuchtet aus der Sicht von Charlie, Kate und Jack. Sofort fällt auf, Kate ist die Gefangene und Flüchtige, Charlie ein Junkie, und Jack derjenige, der immer anderen Leuten helfen will. Auffallend ist bei Jack und Charlie Cindys Rolle, deren Bestimmung im Teil des Ganzen noch immer ein Rätsel ist. Auch auffallend, dass sich die Szenen nicht gleichen, könnte ein Fehler sein, doch es kommt sooft noch in der Show vor, das anzunehmen ist, dass die Wahrnehmung der einzelnen Charaktere anders ist, jeder also in seiner eigenen Welt lebt.
AJIRA 316 - OCEANIC 815 VERBINDUNGEN
Gemeinsamkeiten gibt es da Dutzende, und die zähle ich lieber erst in 316 auf, als hier, aber was mir aufgefallen ist. Beide überlebende Gruppen bleiben zunächst am Strand. Ein Pilot oder Co-Pilot wird getötet. Genialerweise wird immer das rechte Cockpit-Fenster zerstört und tötet damit den jeweiligen Copiloten sofort.

CHARAKTERE: DIE ÜBERLEBENDEN, REDSHIRTS UND OTHERS

Sofort fällt auf, dass nur 14 Charaktere im Blickpunkt stehen, vielleicht 15, da man nicht wissen kann, ob Rose wichtig ist. Die anderen werden sofort in den Hintergrund gedrängt, und dienen nur dem Zweck des Sterbens, was seinen Höhepunkt in dem lächerlichen Tod aller Redshirts nach dem Brandpfeilangriff in The Lie erreicht. Dennoch stechen manchmal ein paar Redshirts heraus, in dieser Folge ist es Edward Mars, der als einziger Redshirt Teil der Vergangenheit eines Maincharakters ist. 
Zu den Hauptcharakteren: Jack, der sofort heldenhaft agiert und die Stricke in die Hand nimmt für ihre Rettung. Ist schon krass zu sehen, dass die Geschichte mit dem Zählen von seinem Vater kommt, und ihn eigentlich eher lächerlich gemacht hat. Dennoch erkennt er deren Wichtigkeit und erzählt Kate davon. 
Von Kate ist noch nicht die Nervigkeit und der Egoismus der späteren Folgen zu erkennen. Sie ist sofort überzeugt von Jacks Plan und macht in den ersten Folgen aktiv bei allen Erkundungen der Insel mit. 
Charlie wirkt schon hier ziemlich nervig und seine Kommentare sind oft unpassend, wirken aber deswegen lustig. Offenbar wird er ziemlich oft ausgeschlossen, sonst würde er nicht schon hier anfangen jedem zu erzählen, dass er bei Driveshaft ist. 
Sayid, der Iraki, ist hier noch meilenweit entfernt von dem Killer, der in Staffel 5 aus ihm gemacht wird. Er will alles für ihre Rettung unternehmen und ist durch sein Technikwissen unverzichtbar in den ersten Folgen, in denen sooft die Rettung versucht wird. 
Sawyer ist schlicht und einfach ein Arschloch. Er beschuldigt Sayid, dass er für den Absturz verantwortlich ist, bezeichnet Hurley als Fettsack, und auch bei der Tour, in denen erste Andeutungen auftaucgeb, dass er doch nicht so 100% Arschloch ist, legt er sich reihenweise mit den anderen an. Schön zu sehen aber, dass er schon hier den Brief hat und liest. Desweiteren ist er hier noch Kettenraucher, raucht dann aber nur noch in der nächsten Folge, und dann nie mehr in der Serie. 
Hurley, schon hier wird klar, dass das der netteste und gemütlichste Lost-Charakter ist. Er will sich mit allen anfreunden, und ist zu jedem freundlich. Keine Spur davon zu sehen, dass gerade mit ihm der unheimlichste Flashback der ganzen Staffel kommt. 
Claire, die Schwangere. Passt schon hier nicht so richtig rein. Und es wird klar, dass der einzige interessante Aspekt an ihr das Baby bleibt. Das Mysteriöseste an ihr im Piloten: War Aaron wirklich kurz tot und wurde durch den Seeigel wiederbelebt? Möglich wäre es. 
Jin und Sun, gegensätzlicher konnten die Charaktere hier gar nicht sein. Jin behandelt Sun wie eine Sklavin und die lässt sich das auch noch gefallen. Trotzdem erste Anzeichen von Charakterwandlung, er bietet jedem etwas von seinem Seeigel an. 
Boone und Shannon, das Nervpaar schlechthin. Ich muss immer wieder ablachen, wenn ich den Boone sehe, wie er nach dieser zynischen Jack-Antwort tatsächlich losrennt und die traumatisierten Überlebenden nach einem Kugelschreiber fragt und dann doch tatsächlich mit sechs Stiften zu Jack zurückkommt. Und Shannon ist einfach nur nutzlos, außer in der einen Szene mit der Übertragung. 
Michael und Walt. Walt ist schon hier sehr mysteriös, besonders, da er der einzige ist, der sich mit Locke unterhält. Michael ist noch weit entfernt von dem unsympathischen Kerl, der am Ende von Staffel 2 aus ihm werden wird. 
Locke, unheimlich, mysteriös und nicht durchschaubar. 
Vincent, zweimal taucht er auf, und es wirkt immer seltsam. Es scheint, als ob in diesem Vierbeiner viel viel mehr steckt, als wir auch nur entfernt bis Ende Staffel 5 ahnen. "Is this Vincent?" Was ist wenn Walt damit richtig liegt. 
Others, die sind auch schon dabei, da Jack Ethan bereits mitgezählt hat, als er dem Piloten antwortet. Wir haben also schon im Piloten Hinweise zu den Others, Dharma, Rousseau, Jacob-Samuel und der Isolation der Insel. Soll mal einer sagen die wussten nicht wo es langgeht. :D

BODYCOUNT

Nach jeder Folge wird dieser mit angehängt. Ich habe erstmal alle Oceanic 815 Toten rausgelassen und nur Gary Troup und den Piloten gezählt.
Summe: 2

FAZIT:

Ein Wahnsinnsauftakt einer Wahnsinnsserie. Anstatt einer typischen Robisonade kriegen wir hier gleich eine Menge Mystik, Horror, und Spannung serviert, die heiß machen auf den Rest der Serie. Das geniale, noch immer sind Dinge aus dem Piloten nicht eindeutig geklärt worden.



Nachbetrachtungen: Auch wenn es vermutlich nie jemand lesen wird, da Lost seit 3,5 Jahren zu Ende ist, hier dennoch einige Gedanken, ehe ich einen weiteren Rewatch starte (den ersten seit Ende der Serie!):
- nein, selbstverständlich ist dieser hellglänzende Bambusstab NICHT Bens Teleskopschlagstock
- auch die Turnschuhe haben keinerlei tiefere Bedeutung, sie sind lediglich ein Hinweis auf die Katastrophe, die Jack am Strand erwartet
- Christian ist trotz einiger Ungereimtheiten eindeutig als Erscheinungsform von Samuel bestätigt worden
- der Pilot wird womöglich doch einzig und allein aus dramaturgischer Sicht getötet und war mit Sicherheit kein Kandidat Jacobs, Samuels Beweggründe könnten mit Furchterwecken bei den Losties erklärt werden; das Samuel den einzigen Piloten der Insel tötet, obwohl er sie unbedingt verlassen will, halte ich für keinen großen Fehler, zu dem Zeitpunkt gab es kein funktionierendes Flugzeug auf der Insel
- Aaron hat sich letztendlich als viel viel unwichtiger herausgestellt als erwartet, weswegen ich der Seeigelszene kein große Bedeutung mehr beimesse
- und auch wenn ich es eher spaßenshalber behauptet habe, die 6. Staffel war der Beweis, dass die Lost-Autoren vieles vieles im Laufe der Zeit hinzugedichtet haben, ohne zu wissen, worauf die Serie hinauslaufen sollte, was sich daran zeigte, dass viele Mysterien nur halb oder mit viel Logiklücken erklärt worden sind