Samstag, 24. Oktober 2009

3/14 Exposè (Erik)

Soll ich diese Folge nun hassen? Storystillstand und zwei nutzlose Charaktere stehen im Mittelpunkt. Oder soll ich diese Folge lieben?
Es gibt zu Exposè wohl nur zwei Meinungen, ich entscheide mich für Letzteres. Die Autoren nehmen sich hier selbst aufs Korn und schaffen es eine geniale Parodie von Lost uns zu servieren. Selbstironie ist dabei großgeschrieben.

NIKKI UND PAULO

So eine Parodie kann aber auch nur klappen, wenn nicht wie bei "Fire + Water" oder "Stranger In A Strange Land" Hauptpersonen im Mittelpunkt stehen, sondern die Anticharaktere der Serie schlechthin. Die beiden sind so derartig fehl am Platze mit ihren Diamaten und ihrem Egotrip, sodass ich die beiden einfach nur lieben kann. Zwei Überlebende, die sich gegen jede Norm verhalten. Beide sind aber in ihrem früheren Leben eines, eiskalte Killer. Sie schrecken nicht davor zurück, Nikkis Boss und scheinbarer Liebhaber, wegen ein paar Diamanten umzubringen. Die Serie in der Nikki mitspielt, treibt schon zu Beginn alles auf die Spitze. Nikki ist Stripperin, genau das was viele Fans befürchtet hatten, wodurch zu Beginn gleich diese Fans verulkt werden. Sehr gut gemacht. Einen echten Hollywoodstar bekommen wir aber im Gegenzug serviert, Mr. La Shade oder die Cobra ist niemand anderes als Billy de Williams, der sich selbst spielt. Bekannt geworden ist er durch Star Wars als Lando Calrissian. Schön, dass nach all den Star Wars Verweisen einer der alten Schauspieler auftritt. Dann wird Nikki getötet als Gästestar, der für einen winzigen Moment eine bedeutende Rolle einnimmt. Außer in dieser Episode wird auch Nikki nie wieder bei Lost so bedeutsam sein und sie stirbt auch noch. Nach dem Dreh treibt sie es noch auf die Spitze: "I'm just a guest star, and we all know what happens to guest stars." Dieses Mal nehmen sich die Autoren selbst auf den Arm.
Als nächstes kommt die Szene, als die beiden die Diamanten stehlen und die Autoren zeigen wieder Ironie. Zuckerman wird vergiftet, genau wie sich die beiden dann auch vergiften und deswegen letztlich lebendig begraben werden. Nikki treibt das wieder auf die Spitze: "We poisoned him; let's not poison ourselves." Im übrigen ist "Razzle-frickin'-dazzle." eine der seltsamsten Wortwendungen, die ich je gehört habe.
Es geht weiter, als ausgerechnet Nikki und Paulos Vorgänger am Flughafen vorbeischauen. Extra für diese Episode darf noch einmal das nervige Geschwisterpaar Boone und Shannon was zum besten geben. Ein großes Plus dieser Episode, soviel nervige Charaktere auf einen Haufen, das konnte nur gutgehen und so ist diese Szene dann auch wieder ironisch. Paulo soll versprechen, dass sie niemals so enden werden. Beide werden auf der Insel sterben, genau wie Boone und Shannon.
Die Crash-Szene mit Nikki, irgendwie war das auch wieder eine Ironie der Autoren. Im unbefleckten Kleid und unverletzt sucht sie den Strand nach Paulo ab. Für mich wird diese Szene keinesfalls zerstört, fand es sowieso schon immer lächerlich, dass das halbe Flugzeug noch explodiert, als die Tragfläche herabbricht. Genial, als sie Arzt findet, da war es dann wieder um mich geschehen. Zu geil ,was er da ruft, dies aber Nikki gar nicht mehr interessiert: " Are we alive? Did we survive? Look at me, am I OK? Am I OK?"
Natürlich kommt noch Boone entlang und fragt nach einem Stift, so genial, so genial. Besser geht es fast gar nicht mehr. Dann aber findet sie Paulo und wir sehen wir hier den Grund ihres Scheiterns, alles was sie interessiert sind die Diamanten, obwohl sie gerade eben erst abgestürzt sind.
Im weiteren Verlauf wird dies auch immer wieder deutlich, wieder herrlich wie Nikki behauptet, dies sei eine Insel im Südpazifik und nicht Jurassic Park. Jurassic Park ist eine Insel und liegt auch noch im Pazifik. Mit Ethan folgt dann auch schon der nächste Charakter der alten Garde und der bringt sie auf die Idee, im Dschungel zu suchen. Nikki geht daraufhin zu Arzt, der hier bereits ihren Tod vorweg nimmt, als er das mit der Medusaspinne erklärt. Ich glaube Nikki und Arzt zusammen, davon hätte es ruhig mehr geben können. Wieder eine Szene, die einfach nur lustig sein kann, wie Arzt hinwegschmilzt, als Nikki in Bikini zu seinem Zelt kommt.
Nun betreiben die Autoren aber Ironie, die gewisse Szenen schon fast ins Lächerliche zieht. Locke und Eko finden nur durch Träume die Beechcraft und die Pearl. Nikki und Paulo latschen einfach durch den Dschungel und finden sie. Übrigens wieder so eine Dialogzeile, die zum Schießen ist:
Paulo: "Are you sure we should be listening to a High School Science teacher?"
Nikki: "Junior High, and yes. What's your problem with Leslie anyway?"
Beide hätten nun komplett Samuels Plan ruinieren können, wenn Paulo zum Flugzeug hochgegangen wäre, oder sie den anderen davon bericht hätten, doch sie machen es nicht. Durch ihren Egotrip mit den Diamanten sind sie dann doch keine Bedrohung für Samuel.
Wieder folgt so eine Szene, bei der ich nur ablachen konnte. Kate im Streitgespräch mit Shannon und Arzt, und dann kommt auch Nikki hinzu. Hier sollte wohl erklärt werden, wie Shannon von dem Waffenkoffer erfahren konnte, es fehlt aber immer noch die Erklärung woher sie wusste, wo dieser Koffer ist. "The pigs are walking.", ein Querverweis zu Animal Farm. Erneut wird Nikkis kaltes Wesen deutlich und was letztendlich ihr Untergang ist, als sie auf die Frage von Paulo nur von dem Wert der Diamanten spricht. Dadurch behält Paulo diese und will sie vergraben.
Locke hält ihn davon ab mit den Worten: "Things don't stay buried on this Island." Dies ist der vielleicht einzig wichtige Hinweis in dieser ganzen Folge, denn es spielt wohl darauf an, wie die Others ihren Toten die letzte Ruhe geben. Es gibt zwar noch Millionen andere Orte auf der Insel an denen man Diamanten besser verstecken könnte, Paulo versteckt sie natürlich im Spülkasten der Pearl. Dann kommt Ben und Juliet hinzu und wir erfahren nun endlich, dass alles was in Staffel 2 und bis jetzt passiert ist, so von ihm geplant worden ist. Juliet sagt übrigens: "This place gives me the creeps." Verständlich immerhin kann sie von hier aus den Ort beobachten, an dem sie später sterben wird.
Dann wird die Kloszene aufgeklärt, die damals so viele entsetzt hat. Was ich nur daran krass finde. Paulo versteckt die Diamanten für die nächste Woche in seiner Unterhose. Okaay!
Natürlich verrät er sich auf eine sehr dämliche Weise, er verliert seine Nikotingummis, wodurch Nikki darauf kommt, dass er auch die Diamanten hat. Schritt für Schritt geraten nun beide in ihren bizarren Untergang. Nikki benutzt die Medusaspinne, um Paulo zu lähmen und lockt dadurch selbst welche an, die sie dann auch beißen. Manche meinen hier das Monster zu hören. Der einzige Zweck warum aber Smokey eventuell den Tod der beiden möchte, wäre es wohl, dass die beiden nicht mehr so dumpf seine Pläne durchschreiten. Zweimal hätte das passieren können, einmal mit dem Flugzeug und das andere Mal bei Ben. Zur Sicherheit wollte er die beiden wohl aus dem Spiel nehmen. Nikki stößt sich selbst den letzten Sargnagel hinein, als sie bis zum Strand zurückrennt, ihr paralyzed falsch verstanden wird und sie dadurch den Losties erst die Möglichkeit gibt, die beiden innerhalb von acht Stunden zu beerdigen.
Ihr Tod ist letztlich eine Riesenironie, beide werden lebendig begraben, ganz einfach weil sie zwei elementare Dinge auf dieser Insel nicht verstanden haben: "Live together die alone", "Because they're worthless here."

KRIMINALFALL

Genauso ironisch und zum Ablachen ist der Teil in dem die Losties versuchen, diesen bizarren Fall zusammenzufügen. Schon bald haben sie die richtige Intention, vergiftet, können aber damit nichts anfangen, da sie von der Medusaspinne nichts wissen. Es ist schon genial, Hurley, Sawyer und Jin als Detektivduo zu sehen. Das krasse, wir wissen warum Paulo auch paralysiert ist, seine Hose offen und der Schuh im Baum hängt. Die drei werden es aber nie erfahren. Hurley fand ich auch herrlich, als er meinte Sawyer hat die Spur verändert. Daraufhin redet der etwas von einer forensic hatch. In der Tat werden er und Jin später bei Dharma tatsächlich bei so einer Einrichtung arbeiten, die Sawyer sogar für drei Jahre anführt. Jin wirft natürlich das Monster in den Raum, was zu einem Running Gag in dieser Folge wird. Beide führen dabei die Sache mit Eko an und das er wohl Nikki und Paulo gemeint hat. Möglich wäre es, wenn Smokey tatsächlich den Tod der beiden herbeigeführt hat. Wie wenig Ansehen die beiden doch hatten, merken wir spätestens bei Sawyer, der selbst im Tod noch so von denen redet: "We gotta find out whatever we can about these jabronis." Jin fragt daraufhin verdutzt nach und Sawyer nennt sogar die falschen Namen, Nina und Pablo. Wieder mal schön ironisch und das beweisen soll, wie unwichtig die beiden doch waren.
Dann durchsuchen sie deren Zelt und offenbar hat sich Nikki tatsächlich um die ganzen Viecher von Dr. Arzt gekümmert. Schon seltsam, dass ausgerechnet so ein Modepüppchen nicht in das Klischee passt, vor jeder kleinen Spinne laut schreiend davonzulaufen. Dabei findet Hurley Expose und hierbei wird sogar das Spoilern aufs Korn genommen. Er erfährt das größte Geheimnis dieser Show, nämlich, dass Mr. La Shade die Kobra ist. Dann finden sie das Walkie Talkie und wieder wird ein Detail eingefügt, dass sie auf die völlig andere Spur bringt und sie immer noch nicht wissen, was es damit auf sich hat. Jedenfalls kommt durch die Others schließlich die Rede auf Suns Entführung und Sun erfährt endlich die Wahrheit. Das die Szene so glimpflich für alle Beteiligten abläuft, zeigt nur wie unwichtig diese Enthüllung doch letztendlich wahr. Jedenfalls wird dann auch noch Desmond mit hineingezogen und für kurze Zeit ist Sawyer im Verdacht, etwas das den Konflikt untereinander verschärft und als einziges von dieser Episode auch Wirkung auf die nächste Folge hat. Im übrigen scheint nur Vincent zu wissen, dass die beiden nicht tot sind, aber auf den Hund achtet niemand.
Beim Hurley-Desmond Gespräch taucht wieder so ein herrlicher Satz auf: "No offence dude but, as far as superpowers go, yours is kinda lame." Selbst Desmonds Visionen werden schon aufs Korn genommen.
Sawyer aber findet die Diamanten und ist wieder raus aus dem Schneider. Hier merken wir deutlich, im Gegensatz zu Nikki und Paulo haben alle anderen Losties verstanden, dass Diamanten nichts wert sind. Sawyer gibt sie Sun, diese gibt sie ihn zurück und als Sahnetüpfelchen auf diese ganze herrlich ironische Episode schüttet der diese über die beiden Paralysierten hinweg. Hurleys Ansprache ist auch so typisch dafür, er hat zwar keine Ahnung, was nun passiert ist, aber was Gutes hatten die beiden bestimmt schon. "I really loved Exposé." Nun kann jeder Lost-Fan entscheiden, ob er sich Hurleys Worten anschließt, ich jedenfalls werde das machen. Das beste natürlich, alle wenden sich schon ab, als die beiden nur teilweise mit Sand bedeckt sind und Nikki öffnet die Augen in dem Moment. Trotzdem kommt es zu dem morbiden Ende.

BODYCOUNT

Zuckerman wird vergiftet, Nikki und Paulo lebendig begraben.

Summe: 68

FAZIT:
Geniestreich der anderen Art. Anstatt die Story voranzubringen, nehmen sich die Producer eine Auszeit, um sich selbst, den Zuschauer und alle mögliche Dinge der Serie auf den Arm zu nehmen. Mit dieser Episode wird das Kapitel Nikki und Paulo beendet, zwei Charaktere, die nie angekommen sind in der Show und aus diesem Grund eignete es sich für so eine selbstironische Episode, gerade die beiden in den Mittelpunkt zu stellen. Alle Redshirts und nervigen Charaktere sind hier auf einem Haufen, nur Frogurt fehlt noch, dann wäre es perfekt gewesen. Auch das funktioniert und so wird mir diese gelungene Lost-Parodie immer in Erinnerung bleiben.


Nachgedanken:
- unglaublich, aber das Exposè-Drehbuch gibt tatsächlich einen Hinweis darauf, dass Jacobs Identität im Staffel-5-Finale enthüllt wird
- Nikki und Paulo sind am Ende doch nicht komplett nutzlos, sie verhelfen Miles nach all den Strapazen doch noch zu Geld

Freitag, 23. Oktober 2009

3/13 The Man From Tallahassee (Erik)

Gigantisch, diese Folge ist der nächste große Höhepunkt dieser Staffel, der alles bisher gesehene in den Schatten stellt. Unglaublich gute Locke-Ben Dialoge, zusammen mit dem klärenden Flashback von Locke, so eine Folge kann nur Lost-Perfektion sein.

JACKS DEAL

Ehe ich zu den Hauptthemen dieser Folge komme, zunächst der Grund, warum sich die drei überhaupt auf den langen Weg gemacht haben. Es stellt sich heraus, dass Jack deshalb so fröhlich Football mit Tom spielt, weil er einen Deal mit Ben hat, die Insel zusammen mit Juliet zu verlassen. Das wussten wir aber schon seit "I Do" und ich dachte damals auch, Ben sieht das Versprechen als eingelöst an, als er Jack von der Hydra-Insel führt. Erst hier sehen wir wie fies und unglaublich hinterhältig Ben doch Jack ausgetrickst hat und wie wahnsinnig gut dieser Benjamin Linus doch Leute erfolgreich manipulieren kann. Mir kommt so langsam der Gedanke er wusste, dass sich Kate, Sayid und Locke auf dem Weg zu den Baracken befinden, vielleicht schon durch die Flame, vielleicht aber auch durch Samuel. So hat er es geschickt solange herausgezögert, dass Jack die Insel verlässt, bis tatsächlich die drei eintreffen und alles verderben. Kate zumindest hatte die Idee, so ist sie mit Schuld, aber Locke verhindert erst, dass sie fliehen können. Sayid ist eigentlich nur Mitläufer, die ganze Episode wirkt er zum ersten Mal nutzlos in dieser Serie, eine Figur, die sich immer mehr abnutzen wird, bis sie in Staffel 5 zur fast totalen Bedeutungslosigkeit verkommt.
Genial fand ich es schon, wie Locke besonnen und ruhig scheinbar einen guten Plan hat, bis zur Nacht zu warten, ehe sie zuschlagen. Noch denkt man er macht das für Jack, in Wirklichkeit möchte er aber an Ben ran, um das U-Boot zu sprengen. Dabei erfahren wir nun endlich auch den Grund, warum er sich wirklich an dieser Tour beteiligt hat, zum einen wollte er unbedingt Ben wieder treffen, zum anderen die nächste Möglichkeit zerstören, von der Insel zu kommen. Er ist somit in der Gemeinschaft der Others angelangt, ein weiteren Schritt von Samuels Plan ist damit erfolgt.
Bleiben wir aber erst einmal bei Jack, ich fand die Szene sehr gut gemacht, als er sich von Kate scheinbar für immer verabschiedet und sagt, er käme zurück, um sie zu retten. Es wird nur genau andersherum sein, Kate wird wieder einmal zurückkehren, um Jack diesmal wirklich zu retten.
Erstaunlich fand ich übrigens, dass er Ben nicht darum bittet, dass Kate und Sayid mitdürfen, sondern das sie freigelassen werden, nachdem er weg ist. Ich glaube unser guter Doc wollte nur mit aller Macht weg von diesem falschen Weibsstück, was mir auch seine Reaktion erklärt, als er sie in seiner Wohnung erblickt. Übrigens ein schönes Easteregg von den Autoren, dass Jack sein Thema spielt, so ist es später auch bei Ben. Weiterhin glaube ich, dass er schon vorhatte mit Juliet etwas anzufangen, immerhin sind die beiden sich schon viel näher gekommen als vorher und von ihr fühlt er sich nicht so betrogen wie von Kate. Ich denke das sind die Hauptgründe, warum Jack wirklich von der Insel will und sich nicht retten lässt.
Doch er hat die Rechnung ohne den Mastermind Ben gemacht, der ihm natürlich ein Versprechen abnimmt, von dem er genau weiß, dass er es nicht einhalten muss: "I'll let them go, just as soon as you've left the island." Was noch verrückter ist, in Staffel 4 hält er das Versprechen dann auch ein, er lässt Kate und Sayid frei, als Jack die Insel verlassen kann. Für solche Verbindungen kann man die Autoren nur lieben.
Es kommt dann zur einzigen von nur zwei Locke-Jack-Begegnungen in dieser Staffel, aber beide werden sehr einprägsam sein. Hier ist er völlig überrascht, als er Locke urplötzlich sieht, sein Kommentar aber wie zu schlimmsten Staffel 2-Zeiten: "What are you doing here, John?" Arrogant, besserwisserisch und herablassend, ohne das er weiß, dass Locke ihm gerade die Chance verdirbt, die Insel zu verlassen. Für mich ist das " I'm sorry, Jack." und "Sorry for what?" einer der weiteren großen Momente dieser großartigen Folge. Jacks enttäuschter, entsetzter Blick danach, als er merkt, dass er nicht von der Insel kann, ein Grund, warum dieser Charakter einfach dabei sein muss. Herrlich das ganze.

LOCKE UND BEN

Lost-Folgen haben normalerweise schon ein sehr hohes Niveau, was diese Serie zur besten überhaupt macht. Folgen in denen Locke und Ben zusammen interagieren, schrauben das ganze auf ein Level, an dem bisher nichts von mir Gesehenes an Schauspielerduos auch nur ansatzweise herankommt.
Es ist unglaublich gut gemacht, wie Locke mit erhobener Waffe in das Zimmer kommt, als der gelähmte Ben gerade das Licht anmacht. Sein überraschtes "John", wie als ob er völlig überrascht wäre, dass nun urplötzlich Locke vor ihm auftaucht, kaufe ich ihm immer wieder ab, so gut gespielt ist das ganze. Auch finde ich es toll, dass Ben selbst im Bett liegend noch genügend Macht ausstrahlt und auch hier die ganze Zeit über nicht einmal der Unterlegene ist. Er weiß genau, was Locke will und wie er ihn dazu bringen kann, diesen Plan auch wirklich auszuführen. Geschickt lenkt er erst mit Jack ab, doch Locke interessiert sich für diesen gar nicht, er will nur wissen wo das U-Boot ist. Richtig gut wird es aber erst, als er einen auf unwissend spielt und Locke ihm genau erklärt, woher er von dem U-Boot weiß.
Dann stößt Alex hinzu und Locke muss sich im Schrank verstecken, als die anderen Others (Hinweis das ist kein "other Others Wortwitz) die Gefangennahme von Kate und Sayid berichten wollen. Ben nutzt diese Gelegenheit, um Richard zu befehlen, den Mann von Tallahassee zu holen, Lockes Vater. Auffallend, dass Richard hier noch jeden Befehl von Ben ausführt, dieser ist also definitiv noch der von Jacob erwählte Anführer.
Natürlich war auch das von langer Hand geplant, aber nicht nur von Ben, sondern auch von Samuel und vielleicht sogar Jacob. Richard weiß natürlich durch die Zeitreisen von der Besonderheit von Locke und damit er wirklich Anführer werden kann, muss er wohl seinen Vater töten. Diesen haben die Others dann kurzerhand auf die Insel geholt, damit Locke, wenn er zu ihnen stößt, getestet werden kann. Jeder erhofft sich aber ein anderes Resultat, Ben glaubt, dass Locke versagt und nicht fähig ist, seinen Vater zu töten, sodass bewiesen wird, dass er als Anführer untauglich ist. Richard dagegen möchte einen Machtwechsel herbeiführen und will Locke mit allen Mitteln helfen, dass sein Vater verschwindet. Samuel dagegen möchte nur eins, dass Locke auf den Weg gebracht wird, den wir am Ende der Staffel sehen werden, quasi als Resultat aus Bens und Richards Hoffnungen.
Locke hat also Recht, dass dies ein Passwort ist, aber nicht das vermutete "There's a man in my closet with a gun to my daughter's head." Eine Stelle an der ich immer wieder lachen muss. Locke benutzt sie nun, damit sie das C4 holt, Ben hilft ihr auf die Sprünge, indem er vor Locke behauptet, dass sie ihn hasst und ihn als Geißel zu halten nicht sehr klug wäre. Schon unheimlich, dass er bei seinen Manipulationen selbst vor seiner Ziehtochter nicht Halt macht.
Ben möchte dann in seinen Rollstuhl für etwas Würde, in meinen Augen aber hat er selbst noch in diesem Bett genug Würde ausgestrahlt. Seine Bemerkung in Richtung Locke mit der Würde, spielt wohl auf seine Vergangenheit an, in der er alles andere als würdevoll behandelt worden ist. Dann kommt die Rede wieder auf das U-Boot und erst jetzt kommt Ben mit dem wahren Plan heraus den Locke hat, mit einer ganz einfachen Bemerkung bringt er ihn dann dazu, über seine Vergangenheit zu reden. Erst hier wurde mir bewusst, dass Ben die ganze Zeit die Überhand hatte.
Danach unterhalten sich die beiden über Lockes Wunderheilung. Natürlich versteht Ben immer noch nicht, wieso er überhaupt Krebs bekommen konnte und warum er noch immer im Rollstuhl sitzt, obwohl Jack ihn schon vor einer Woche geheilt hat. Dazu müsste man wissen von wem diese Heilungen kommen. Ich denke aber noch wie vor der Tumor kam von Jacob und die anschließend erst später vollzogene Heilung von Samuel. Er lässt Ben erst wieder laufen, als dieser Locke in seiner Gemeinschaft zumindest vorzeitig akzeptiert hat.
Interessant, dass er am Ende die Möglichkeit anspricht, dass Locke womöglich deshalb die Insel nicht verlassen will, weil er dann wieder im Rollstuhl landet. Ironischerweise passiert genau das aus einem anderen Grund, als er die Insel verlässt.
Am besten fand ich dann den Spruch von Ben, als Locke nach der Stromversorgung fragt: "We have two giant hamsters running in a massive wheel at our secret underground lair--" Für mich immer wieder überraschend, wie witzig Ben doch trotz seiner Manipulationen sein kann. Dann wendet Ben wieder einen Trick an und tut so, als würde es ihm große Probleme bereiten, wenn er das U-Boot sprengt. Seine Leute hätten dann nicht mehr die Illusion, dass sie die Insel verlassen könnten, da sie sich noch nicht voll auf sie eingelassen haben. Die Tatsache, dass außer Juliet das jeden kaltlässt, zeigt mir, dass Ben hier gelogen hat.
Was Locke dann anspricht hat auch was Wahres:
"Because you're cheating! You and your people. Communicate with the outside world whenever you want to, you... you come and go as you please... you use electricity and running water and guns... You're a hypocrite! A pharisee. You don't deserve to be on this island. If you had any idea what this place really was... you wouldn't be putting chicken in your refrigerator!"
Hier hatte ich kurz das Gefühl der Samuel in Locke spricht, in der Tat weiß Ben viel, aber was wirklich abgeht, davon hat er keine Ahnung. Gut fand ich auch den Aspekt mit der Elektrizität, denn Jacob hasst Technologie oder auch Samuel? (mehr dazu im "Man Behind The Curtain"-Recap). Besser geht es Ben auch erst, als er diese hässlichen, gelben Baracken verlässt.
Das ganze Gespräch führt dann zum ersten Höhepunkt: "Because you're in the wheelchair, and I'm not."
Dann kommt schon Alex zurück und Ben versucht ein letztes Mal, scheinbar Locke davon abzuhalten, als er die Sache mit Jack erwähnt. Natürlich ist das der endgültige Auslöser, denn nichts wäre ihm lieber als Jack die Chance zu verbauen, die Insel zu verlassen. Alex erklärt ihm dann zwar die Manipulationen von Ben, doch der merkt es immer noch nicht.
Schließlich nach der ganzen Sache erläutert Ben seinen ganzen genialen Plan und führt dann das Gespräch wieder auf seinen Unfall. Ich fand es schön widersprüchlich, dass Ben wissen wollte, wie es sich anfühlt wenn der eigene Vater einen umbringen will, da er es genau umgedreht  gemacht und seinen Vater umgebracht hat.

MAGIC BOX

Es ist auch ein besonderes Thema dieser Folge und bleibt eines der gesamten Serie, die magic box. Bekanntermaßen spielt sie eine sehr große Rolle bei Lost. Ich beziehe es auf Locke. Dieser hat ein Großteil seines Lebens in einer Verpackungsfabrik gearbeitet, in der er natürlich viel mit Boxen zu tun hat. Nach seinem Tod wird er in insgesamt zwei Boxen aufbewahrt, zum einen den Sarg, und zum anderen in der riesigen Kiste. Beide haben eine immense Bedeutung und gerade die Kiste wurde in einer Weise getragen, die an die Bundeslade erinnerte.
In dieser Folge ist die magic box jedoch rein metaphorisch, wie auch die Autoren bestätigt haben. Es geht lediglich darum, dass sich Locke etwas vorstellen kann und dies die Insel tatsächlich erfüllt. Er kontert das damit, dass sich Ben ein neues U-Boot vorstellen soll. Locke hat bei dieser ganzen Aktion aber bloß daran gedacht, dass er vor seinem Vater sicher ist. Die Insel hat ihm aber genau das Gegenteil erfüllt, er sieht ihn geknebelt auf der Insel wieder, aber mit der Absicht, dass dieser ihm bei seinem größten Wunsch überhaupt hilft, endlich einmal der Anführer zu sein. Die magic box stände in diesem Fall für die Insel, die ja selbst wie eine riesige Box von der Außenwelt wird, geschützt durch eine zeitlichen Barriere und nur ganz schwer zu erreichen ist. Genauso wie eine gut verschlossene Box nicht zu öffnen ist, wenn man den Schlüssel nicht hat. In der Tat sind auf dieser Insel so einige Dinge, die man sich vorgestellt hat. Schon gut durchdacht diese Metapher.

LOCKES FLASHBACKS

Ist Peter Talbot von Jacob geschickt worden? Möglich wäre es, zum einen sehen die beiden sich verdammt ähnlich und es ist schon sehr auffällig, dass Jacob genau weiß wann Cooper ihn aus dem Fenster stößt.
Man merkt deutlich in diesem Flashback wie sehr er an seinem Vater hängt und ihn nicht verraten will. Peter Talbot kam deswegen zu ihm, doch er schickt ihn einfach weg, daraufhin überredet er ihn, die Sache zu beenden. Schon genial, wie schonungslos er offen legt, dass er nur betrügt und Familien ruiniert. Das sehen wir zum Beispiel bei Sawyer dann. Ironischerweise wird Locke selbst noch oft genug betrogen werden und sein Leben liegt am Ende auch in Trümmern. Er deutet also schon sein eigenes Schicksal an.
Auch als Talbot dann stirbt, verrät er seinen Vater noch nicht, sondern gibt ihm eine letzte Chance. Was war das für eine bittere Ironie, als Cooper sagt: "I'm a con man, not a murderer." und eine Minute später Locke aus dem Fenster stößt. In diesem Moment wird ihm wohl erst bewusst, wie sehr sein Vater ihn doch hasst und verachtet, so sehr, dass er ihn sogar tot sehen wollte. Letztendlich ist das der Grund, warum er im Rollstuhl landet, die Tatsache, dass er zum wiederholten Male auf den gleichen Menschen hereingefallen ist, bis dieser ihn dann den Garaus machen wollte. Das gleiche passiert ihm mit Ben, auch ihm vertraut er immer wieder, bis die Konsequenz irgendwann sein Tod ist.

ANDERE CHARAKTERE

Ja die gibt es auch noch, so fällt mir auf wie viel besser mir doch Ryan als Pickett gefällt. Ein Other, der die nötige Gewalt präsentiert, ohne gleich so psychomäßig zu sein.
Tom war wohl gerade zurück von seinem New York Urlaub und hat gleich zur Begrüßung eine Runde Football mit Jack gespielt, vielleicht war das auch der Grund, warum Jack nicht gleich gefahren ist, sondern erst nach einer Woche. Wieder wäre es aber von Ben perfekt geplant worden.
Rousseaus erster Blick auf Alex war zwar eine weitere tolle Szene, doch ich verstehe nicht, warum sie die Gelegenheit nicht nutzt und einfach mal auf sie zugeht. Worauf wartet sie eigentlich noch?
Im übrigen war diese Abschiedsszene zwischen Ben und Juliet tatsächlich fast das letzte Treffen zwischen den beiden. Offenbar hat Ben seine Obsession nun überwunden.

BODYCOUNT

Peter Talbot wird ermordet, bei Locke wird es versucht. Dieser jedoch springt trotz eines solchen Sturzes mithilfe von Jacob dem Tod von der Schippe.

Summe: 65

FAZIT:
Lost, wie ich es liebe und am liebsten immer haben würde. Geniale Ben-Locke Dialoge satt, aufschlussreiche Flashbacks und einen versagenden Jack. In dieser Episode gibt es nichts, aber auch gar nichts, was noch nicht einmal in die Bezeichnung sehr gut hinabfallen würde. Und das obwohl der Handlungsort, die von mir so sehr gehassten Baracken sind. Einer der Folgen an die ich mich immer wieder zurückerinnern werde, wenn es um Sternstunden dieser Serie geht.


Nachgedanken:
- trotz der Genialität dieser Folge ist mir nichts Neues aufgefallen

Donnerstag, 22. Oktober 2009

3/12 Par Avion (Erik)

Wie unbedeutend und nutzlos Claire doch eigentlich ist, ist mir erst mit dieser Folge richtig bewusst geworden, denn das ist erst die dritte Claire-Folge und die erste in der in ihren Flashbacks ausnahmsweise nicht Aaron das zentrale Thema ist.

CHARLIES TOD VERHINDERN TEIL 3

Auch wenn es eigentlich um Claires Einfall geht, mit einer Nachricht an einer Möwe Rettung zu holen, so steht dennoch wieder eine von Desmonds Visionen im Mittelpunkt. Erneut soll Charlie sterben, wieder einmal dann, wenn er Claire helfen soll. Ist da ein gewisser Samuel in Form von Christian womöglich gegen diese Beziehung? So langsam könnte das der Grund sein, warum Charlie sterben muss. Doch wieder einmal ist nicht der richtige Zeitpunkt und Desmond verhindert es. Offenbar kann das Desmond aber nicht einfach so verhindern, denn normalerweise wäre alles schon geschafft gewesen, wenn er Claire die erste Möwe hätte fangen lassen, doch er macht es schwerer, wiegelt Claire erst gegen sich und Charlie auf, ehe er dann mit einer riskanten Aktion selbst eine Möwe holt. Wozu also einfach eine Vision verhindern, wenn es auch schwergeht? Jedenfalls erfährt Claire dabei, dass Charlie totgeweiht ist, was deren lächerliche hysterische Beziehung für die restlichen Folgen wenigstens erträglich macht. Das hat schon an Staffel 2-Zeiten erinnert, als sie mit Charlie nichts zu tun haben wollte, damit Aaron nicht mit Lügen aufwächst. Wenigstens kann man das über Claire noch nicht behaupten, sie ist eine der wenigen, die immer sofort die Wahrheit sagen.
Diesen Rettungsbrief fand ich übrigens äußerst kitschig, dafür das sie gerettet werden wollen. Sowas wirft doch der nächstbeste weg und hält es für eine Seite aus einem billigen Liebesroman. Geklappt haben wird es sowieso nicht, denn die Insel ist schwer ortbar und bewegt sich schon bald wieder, außerdem naht anderweitig Rettung. Seltsam fand ich es trotzdem, dass ausgerechnet dieses eine Mal Möwen auftauchen und noch dazu mit Ring. Offenbar wurden sie angelockt von dem Elektromagnetismus, seltsam aber bleibt wie sie den richtigen Kurs fliegen konnten, vielleicht sind sie es aber auch gar nicht oder sie sind immun dagegen.
Im übrigen haben wir nun schon das dritte Picknick, das auf die Beendung einer Beziehung durch Tod hindeutet. Die Insel hat offenbar etwas gegen Picknicks.

CLAIRES FLASHBACKS

Zwar auffällig unlogisch, dadurch das Claires Mutter wie ein voll aktives Familienmitglied in "Raised By Another" behandelt wird, aber hier im Koma liegt. Es könnte höchstens Claires Tante Lindsey gemeint sein und war es wohl auch, aber anscheinend haben die Autoren diese Stelle einfach nur schlecht durchdacht. Claire in Gothic zu sehen war eine willkommene Abwechslung zu der hysterischen Mutter, die wird nun schon zweieinhalb Staffeln ertragen müssen. Zu guter Letzt erfahren wir auch noch das, was seit" Two For The Road" vermutet wurde, Christian ist Claires Vater und damit ist Jack ihr Halbbruder.
Auffällig fand ich, dass Christian mit ihr über die Abschaltung der Geräte spricht und das sie ihre Mutter nicht aus den falschen Gründen am Leben halten soll. Wie wir sehen wacht sie wieder auf und nachdem Kate zurück zur Insel soll, bekommt sie Aaron, um ihn aufzuziehen. Diese ganze Aussage kommt auch noch von Christian, die spätere Erscheinungsform von Samuel und dem Entführer von Claire. Offenbar wollte er, dass Carole stirbt, damit sie Aaron nicht aufziehen kann, das wiederum würde Kate keinen Grund geben zur Insel zurückkehren, was wiederum unserem Doctor Superhero keinen Grund gibt, den Absturz von Flug 815 zu verhindern. Für mich ist das ein Hinweis, dass zumindest Jack und Kate zu der Gruppe gehören, die Jacob mit "They're coming" bezeichnete und das Samuel bekanntermaßen gar nicht gefallen hat.

JACKS RETTUNG

Mit dem Gefangenen Mikhail wollen sie sich nun weiter auf die Suche nach Jack begeben, dieser enthüllt nun, dass sie alle mit dem U-Boot hergeholt worden sind, aber nicht durch Ben, sondern durch einen "magnificent man." Bekanntermaßen holt Jacob gerne Leute auf die Insel, um seinem Nemesis Samuel zu beweisen, dass Menschen auf der Insel lebensfähig sind. Desweiteren erwähnt Mikhail die Listen, auf denen aber Locke, Kate und Sayid nicht stehen. Sehr seltsam, denn das führt uns nun wieder zu der Frage, wer eigentlich auf den Listen steht, besonders interessant in der Hinsicht, dass Kate und Sayid offenbar noch Teil von Jacobs Plan sind. Vielleicht sind es tatsächlich Personen ohne negative Charaktereigenschaften, wie Mikhail andeutet, Locke ist zu wütend, Kate zu fehlerhaft (oh ja) und Sayid angeblich zu schwach. Sie alle haben außerdem zu viel Angst.
Interessant ist auch, dass er wieder andeutet, dass durch die Anomalie das Unterwassersignal ausgefallen ist. Ich wette aber nach wie vor, dass dem nicht so ist und Ben einfach die Looking Glass alles hat blockieren lassen, damit Widmores Frachter nicht zur Insel findet, von dem er befürchtet, dass er kommt.
Schade eigentlich, dass Danielle das Gespräch genau an der Stelle beenden muss, an dem Mikhail kurz davor war allen zu eröffnen, dass Locke im Rollstuhl saß. Danach sehen wir zum ersten Mal den Sonic Fence. Hier tritt wieder ein Fehler auf, angeblich gehen die Pylonen um die ganzen Baracken herum. Ja, nur wie ist das dort, wo sie an das Meer grenzen? Jedenfalls überklettern die Losties die Pylonen; hätten sie Mikhail dazu gezwungen den Zaun zu deaktivieren, so hätte es einen 14-J gegeben und die Others wären gewarnt worden.
Das Ende dieser Folge ist eine der besten Szenen überhaupt, wir denken Jack will türmen, dabei spielt er nur Football mit Tom. Herrlich Kates Blick dabei. Übrigens positiv überraschend, dass die einem schon seit drei Folgen nicht mehr auf die Nerven geht.

LOCKE

Sein Verhalten wird immer seltsamer, sogar düster. Herrlich wie sich sein Blick verändert, als er Mikhail von dem U-Boot sprechen hört. Sofort ist ihm aber auch klar, wofür er das C4 aus der Station mitgenommen hat. Gegen Mikhail scheint er eine besondere Abneigung zu haben. Genial schon sein erster Spruch:
Sayid: "What do you suggest; we shoot him like a dog?"
Locke: "No, I like dogs."
Diese Abneigung steigert sich immer mehr, als Mikhail fast allen verrät, dass er einmal im Rollstuhl saß. Wieder sieht man deutlich, wie sich Lockes Miene verfinstert. Am Zaun ist es dann wohl der Samuel in Locke der kurz hervorkommt und Mikhail durch die Sonic Barriere befördert. Vielleicht wollte er ihn tatsächlich nur töten, da er fast sein Geheimnis preisgegeben hätte und noch dazu ein lästiges Hindernis ist, für seine weiteren Pläne. Vielleicht aber wollte Samuel durch Locke nur allen beweisen, wie gefährlich der Sonic Fense ist und hat sich schnell Locke bedient. Wie auch immer, es ist jedenfalls nicht Lockes Art jemanden auf der Stelle zu töten.
Noch seltsamer wird Locke dadurch, als sich herausstellt, dass C4 in seinem Rucksack ist. Natürlich werden Sayid und Kate durch diese Aktionen sehr verdächtig, doch Locke kann sich geradeso noch rausreden mit den Worten: "You never know when a little C4 might come in handy." Zum Beispiel um ein U-Boot zu sprengen. Bei Mikhail redet er sich damit raus, dass er sowieso nicht wollte, dass dieser Typ mitkommt und das er gar nicht wissen konnte, dass der Zaun noch aktiv ist.
Genial fand ich übrigens noch die Szene, als Locke unter Beobachtung der drei den Baum fällt. Für mich war das so eine Hinweisszene, Locke macht sein eigenes Ding.

ANDERE CHARAKTERE

Mother Issues sind hier zur Ausnahme das Thema. Sun erzählt davon, wie ihre Mutter nie wollte, dass sie den Sohn eines Fischers heiratet und diesem bei seiner Arbeit hilft. Claires Beziehung zu ihrer Mutter sehen wir im Flashback und das deren letzte Worte an sie wohl waren, dass sie sie hasst und wünscht sie wäre tot.
Dann haben wir noch Danielle, die sich erstaunlich wenig für ihre Tochter interessiert und das höchst seltsam begründet. Ich habe wirklich fast das Gefühl, sie möchte sie gar nicht treffen.

BODYCOUNT

Mikhail müsste eigentlich tot sein, Charlie auch und Carole irgendwann auch. Es ist die Folge der angedeuteten Tode, ohne das jemand wirklich stirbt.

Summe: 64

FAZIT:
Eine gute Episode, wenn auch nicht herausragend, dafür nervt Claire viel zu sehr mit ihrer hysterischen Stimme und ihrer Art gegenüber Charlie und Desmond. Ihre Flashbacks sind zwar unlogisch, aber zur Ausnahme welche der interessanteren Art. Ein wahres Highlight war aber die weitere Suche nach Jack mit dem schockierenden Ende.


Nachgedanken:
- die Theorie, dass Christian Caroles Tod wollte, um eine Ereigniskette zu verhindern ist zwar extrem weit hergeholt, bekommt aber dadurch ordentlich Zündstoff, dass es ausgerechnet Kate ist, die dann Samuel tödlich verwundet

Mittwoch, 21. Oktober 2009

3/11 Enter 77 (Erik)

Kaum haben die Producer das Okay bekommen, den Endpunkt der Serie festzulegen, schon bringen sie die Handlung extrem schnell voran. Die lang erwartete Flame wird hier entdeckt, erkundet und gleichzeitig zerstört. Auch das Tischtennisspiel läuft extrem schnell an einem vorbei. So stoppen nur neue überflüssige Flashbacks die Handlung. Sayid kann zwar kein Wort Französisch, hat aber dennoch in Frankreich als Koch gearbeitet. Offenbar ist es völlig normal, dass Irakis ihre Muttersprache Arabisch ignorieren und sich lieber im verhassten Englisch unterhalten. Wenigstens gibt es mit der Katze noch einen lockeren Bezug zur Episode.

THE FLAME

Diese Station hat mich schon immer sehr verwundert. So scheint sie nicht wie die Pearl oder die Swan, von Essensabwürfen abhängig zu sein, denn sie hat einen eigenen Bauernhof mit Kühen und Mikhail erwähnt sogar eine Teeplantage. Von hier aus gibt es aber auch die einzige echte Kommunikation mit der Außenwelt. Die Looking Glass, die hier schon erwähnt wird, lenkt offenbar nur das U-Boot zur Insel und kann den Funk stören. Der Sendeturm ist offenbar auch nur für Leute gedacht, die sich der Insel nähern. Es existiert aber ganz offenbar eine Verbindung mit der Looking Glass, symbolisiert durch das Sonar, welches aber genauso wie die Satellitenschüssel ausgefallen ist. Schwierig ist nun zu sagen, ob das Mikhail selbst eingestellt hat, oder die Entladung dafür verantwortlich ist. Möglich wäre beides, allerdings erfahren wir im Finale auch, dass Ben den Funkverkehr gestört hat, wodurch alles in Bezug auf die Entladung gelogen sein kann. Jedenfalls stimmt ein was nicht laut Mikhail, nämlich, dass die Satellitenschüssel schon seit Jahren nicht geht. Über diese schafft er es nämlich alles über Oceanic 815 zu erfahren und Juliet zu zeigen, dass es ihrer Schwester gutgeht.
Eine weitere wichtige Funktion ist der Abwurf der Essenspaletten, Sayid findet darüber im Keller sogar ein Handbuch mit Protokollen. Dharma existiert zwar schon seit knapp 20 Jahren nicht mehr, dennoch wäre es durchaus möglich, dass die Essensabwürfe noch immer regelmäßig erfolgen. Irgendjemand muss nur das Lagerhaus kontrollieren, die Others zum Beispiel und Mikhail sorgt dafür, dass seine Leute und die Insassen der Swan das Essen bekommen. Beweise dafür gibt es in Bens Tagebuch, in welches wir im Finale einen kurzen Blick werfen dürfen.
Desweiteren frage ich mich, ob der Sicherheitsalarm noch aktiv ist, in den Sayid ironischerweise damals auch getappt ist. Dafür spricht zum einen, dass Mikhail seine Kuh noch gemütlich zurück bringt, zum anderen reagiert er auf Sayid und den Rest genauso, wie es wohl von Ben aufgetragen worden war. Ob er dazu auch Zeit gehabt hätte, wenn Sayid einfach so aufgetaucht wäre?
Großes Rätsel dagegen bereitet mir das C4 und der Schachcomputer. Beides offenbar Erfindungen von Psychofreak Radzinsky, den wir auch zur Dharma-Zeit dort arbeiten sehen. Anscheinend war diese Station den Dharma-Leuten sehr wichtig und die Angst davor, dass genau diese Station von den Others besetzt werden könnte, so groß, sodass Psycho-Radzinsky sie mit C4 ausgestattet hat, sodass bei einem Angriff lieber alles hochgeht, als das die Others einen Kontakt zur Außenwelt haben. Der Schachcomputer macht dabei aber wenig Sinn, da er bei einer feindlichen Übernahme nur extrem aufhalten würde. Vielleicht dient er aber auch als Schutz, sodass nicht jeder x-beliebige Typ, wie zum Beispiel Phil, aus Versehen die ganze Station hochsprengt, sondern nur der klügste Kopf diese Barriere durchbricht.
Eine andere Variante wäre, dass Mikhail einfach das C4 gelegt hat. Wie wir wissen sind die Others sehr darauf aus, dass die Losties so wenig wie möglich von ihnen wissen und das sie die Orte, die sie kennen, meistens verlassen oder verwüstet zurücklassen. In diesem Fall sogar zerstört. Offenbar befinden sich so brisante Akten im Keller über Dharma und wie man entkommen kann, dass es besser wäre alles zu zerstören, anstatt es zu verlegen. Ben hat schließlich kein Interesse daran, dass irgendeiner der Losties die Insel verlässt, also sorgt er dafür, dass die Station lieber in die Luft fliegt, als das einer von ihnen einen Weg findet, mit der Außenwelt zu kommunizieren. Locke übernimmt dankbarerweise diese Aufgabe und das führt zu einer dritten Variante, die ich aber bei dem Punkt Locke noch bespreche.

OTHERS AND DHARMA

Hier folgt die große Enthüllung, Dharma ist nicht gleich Others, sondern die Hostiles sind die Others. Mikhail hat zwar gelogen, doch auch erstaunlicherweise viel Wahres gesagt. Es gab einen Purge und auch die 11 Jahre stimmen mit großer Sicherheit. Die Others brauchten, denke ich, einen erfahrenen Soldaten, der sich mit Kommunikationstechnik und Verarztung gut auskennt. Da ich mich hartnäckig dagegen sträube, dass der Purge erst 1992 war (wegen Rousseau und noch anderen Dingen), haben die Others länger gebraucht, ehe sie jemanden wie Mikhail gefunden hatten, der diese Station besetzen konnte. Vielleicht war auch Widmore dagegen und erst nach seiner Exilierung hatte Ben freien Lauf und konnte diese wichtige Station besetzen.
Die Tatsache, dass er den Bauernhof weitergeführt hat, sowie weiterhin eigenen Tee anbaut, sagt mir, dass er dort lange Zeit ziemlich ungestört gelebt hat. Ben ist auch extrem vorsichtig, als er sich mit Juliet dieser Station nähert. Es war offenbar sein Auftrag jeden anzuschießen, der sich der Flame nähert und diesem zunächst seine Dharma-Geschichte zu erzählen, damit er sie so ins Vertrauen ziehen konnte, ehe er sie an die Others auslieferte. Bei den Losties klappt das nicht ganz so gut, da Sayid ihn rechtzeitig durchschaut und aufgrund von seinen Kampfkünsten die Oberhand behält. Warum allerdings Mrs. Klugh dort war, verstehe ich immer noch nicht. Sollte sie Mikhail helfen, um die Satellitenschüssel zu reparieren oder wurde sie geschickt, als er bemerkt hatte, dass er durch die Pearl beobachtet wird? Vielleicht war sie auch da, um nach erfolgreicher Gefangennahme der drei, Mikhail bei der Auslieferung mitzuhelfen. Ganz werden wir das wohl nie erfahren, da sie sich von Mikhail abschießen lässt. Die Tatsache, dass sie sich selbst abschießen, wenn sie als Geisel gehalten werden, ist zwar sehr gut durchdacht, weil so der eine nicht dazu gebracht werden kann, den anderen zu verraten, aber seltsamerweise kommt das nur hier zur Anwendung. Mir gefällt übrigens nicht, dass die so spannende und mysteriöse Mrs. Klugh auch einfach so aus der Serie geschossen wird. Jedenfalls scheint sie eine Other durch und durch gewesen zu sein, loyal bis in den Tod. Ironischerweise wird Mikhail, den die Losties als Ersten der Others nicht töten, sondern am Leben halten, ihnen alles noch sehr schwer machen.

LOCKE

In dieser Folge benimmt er sich sehr seltsam. Zunächst hat die seltsame Kompasspeilung doch tatsächlich die vier bis zur Flame geführt, den Ort, den sie wohl auch finden sollten, da er doch eine Möglichkeit darstellte, von der Insel zu fliehen. Locke wird das aber zunichte machen, wodurch das ganze wieder eine andere Bedeutung bekommt. Es ist schon sehr komisch, dass er als Erstes in der Station den Schachcomputer ausprobiert. Als ob er sofort versuchen würde, einen Weg zu finden, die ganze Flame außer Kraft zu setzen. Als Mikhail ihn darauf hinweist, dass das Programm cheatet, sagt Locke etwas ganz Entscheidendes:
"Hmm. Well, I’ve played a lot of computers and I’m pretty sure they don’t know how to cheat. That’s what makes being human so distinctly wonderful."
Bekanntermaßen wird er immer wieder betrogen, am meisten von Ben und Samuel.
Lustig wirkt es irgendwie, als Locke mit der Waffe herauskommt, als Kate und Sayid die Situation bereits bereinigt haben. Diese finden daraufhin den Eingang zum unterirdischen Bereich der Flame, während Locke noch einmal spielt. Dieses Mal gelingt es ihm zu gewinnen und er kann fast den Code eingeben, wenn Mikhail ihn nicht daran gehindert hätte. In der Tat hätte er ihn nun töten kann, doch da er für die Anführerrolle der Others noch sehr wichtig ist, lässt er ihn am Leben und nimmt ihn nur als Geisel.
Als sich die ganze Situation wieder zugunsten der Losties klärt, kommt nun die große Frage: Sprengt Locke absichtlich die Station? Er behauptet später er wisse nichts von dem C4, das ist aber gelogen und so komme ich zu dem Schluss, dass er wusste, dass Enter 77 womöglich die Flame sprengt. Seltsam nur, dass die Explosion so lange auf sich warten lässt. Alle können noch herauskommen, vielleicht ist das auch so gedacht, damit bei einem Angriff eventuell noch geflohen werden kann. Es könnte aber auch sein, dass Locke einen Teil des C4s benutzt hat, um alles hochzusprengen. In zwei Folgen macht er schließlich das gleiche mit dem U-Boot. Ihm kann es nur Recht sein, Ben kann es nur Recht sein und Samuel kann es nur Recht sein. Alle profitieren davon, wenn jeder Weg, der von der Insel führt, zerstört wird.

ANDERE CHARAKTERE

Die Losties spielen derweil am Strand Tischtennis, um die Sachen von Sawyer. Hurley fasst übrigens perfekt zusammen, was mittlerweile auch jeder Lost-Fan über die Entladung denkt: "Look, dude, all I know is the sky turned purple. After that I don’t ask questions. Just make myself a salad and move on." Soviel wie, ist mir egal, die Story geht weiter. Damit deuteten die Autoren wieder an, dass dieses Rätsel nicht mehr gelöst wird.
Sawyer fand ich richtig gut in dieser Folge, auch wenn er anfangs noch auf seinem Ego-Trip war. Ab hier begann der geniale Insider in Bezug auf Nikki: "Who the hell are you?" Traumhaft wie dann Paulo schaut, der genialerweise auch noch als Zorro bezeichnet wird.
Sawyer übernimmt sich zwar und wird von Hugo in Grund und Boden gespielt, aber das stärkt trotzdem wieder deren Freundschaft, besonders mit Hurleys Kommentar über Kate.
Nett fand ich auch, dass Mikhails Katze, die Sayid an Aminas Katze erinnert, Nadia heißt, für beide aber hat dieser Name eine völlig andere Bedeutung.
Hier wird auch schon angedeutet, wie es Danielle gelingen konnte, 16 Jahre an fast jeder interessanten Insel-Location vorbeizurauschen. Schon krass, dass die Ben-Einflüsterung noch immer funktioniert und sie anstatt mehr über ihre Tochter zu erfahren, wieder abrückt. Auf diese Weise aber würde sie auch in hundert Jahren ihre Tochter nicht finden. Überlebt hat sie zwar dadurch, aber nie das gefunden, wonach sie gesucht hat.

BODYCOUNT

Mrs. Klugh wird erschossen, desweiteren zerstört Locke in seiner kurzen Zeit auf der Insel schon die zweite Dharma-Station.

Summe: 64

FAZIT:
Lost zieht das Tempo an, fast etwas zu schnell, doch es kommt trotzdem eine geniale Episode dabei heraus. Mit Mikhail gibt es einen neuen Charakter und viele Antworten über Dharma und die Others. Am Strand bleibt es weiterhin lustig und nur die überflüssigen, unlogischen Sayid Flashbacks schrauben das Niveau etwas hinab. Definitiv eine der Schlüsselfolgen dieser Staffel.


Nachgedanken:
- ich lege mich fest, Locke hat die Station absichtlich in die Luft gesprengt, um jede Kommunikation mit der Außenwelt zu verhindern
- zu den Essensabwürfen habe ich mich im Swan-Fazit ausführlich geäußert

Montag, 19. Oktober 2009

3/10 Tricia Tanaka Is Dead (Erik)

Lost nimmt die Ernsthaftigkeit heraus und wir erleben eine Folge lang größtenteils nur Spaß und Freude von den Losties. Wer könnte sonst im Mittelpunkt stehen, als unser Gute-Laune-Typ Hurley.

HURLEY = VARIABLE

Diese Theorie kommt mir immer in den Sinn bei Hurley-Folgen, so auch bei dieser. Es ist schonmal seltsam, was für ein Glück er hier hat. Ein alter Dharma-Van, der schon jahrelang im Dschungel verrottet, springt urplötzlich wieder an, als Hurley fast gegen ein paar Steine rast. Wirken die Heilkräfte der Insel also auch bei Autos oder hatte da Jacob irgendwie die Fingerchen im Spiel? Schon seltsam, dass Hurley hier heil rauskommt.
Im Flashback ist es wieder auffällig, dass mit seinem Vater eine Person auftaucht, die verhindern möchte, dass er auf der Insel landet. Dafür bezahlt er sogar eine Wahrsagerin, die einen wichtigen Satz sagt: "Death surrounds you; and more is coming." Wird damit schon Hurleys Rolle angedeutet, die er noch im epischen Kampf zwischen Samuel und Jacob einnimmt? Wieder einmal taucht gehäuft die Redewendung: "make your own luck" auf, genau wie damals bei Martha Toomey. Das Hurley hier schon dafür bereit ist und einfach sein Glück ausprobiert, spricht dafür, dass er tatsächlich etwas ändern kann, wenn er es nur will, vielleicht sogar etwas Entscheidendes.

DHARMA VAN

Hurleys Monolog an Libbys Grab fand ich richtig toll gemacht, er ist einer der wenigen, der wirklich noch um die Toten trauert. Dies war aber auch die wirklich letzte ernsthafte und nachdenkliche Szene dieser Folge. Gleich darauf redet er mit Charlie und Vincent (den wir übrigens zum ersten Mal in dieser Staffel sehen) kommt mit einem Skelettarm, an dem ein Autoschlüssel hängt, aus dem Dschungel gelaufen. Durch die Worte "Death finds me, dude.", wirkt schon diese morbide Szene ulkig. Verstärkt wird das noch durch Charlies: "Yeah, chase the dog with the skeletal arm into the creepy jungle. You be my guest."
So findet Hurley das erste Auto auf der Insel, etwas das uns nach all den Stationen, OP-Räumen auch nicht groß überrascht, dadurch können aber wenigstens ein paar der früheren Fehler erklärt werden. Ironischerweise hat dieser Dharma-Van eine grausige Hintergrundgeschichte, die völlig im Gegensatz zu dieser lustigen Episode steht. Es war das Gefährt des armen Roger Linus, getötet vom eigenen Sohn, und dann im Dschungel liegengelassen. Auch im Tod geht man nicht gerade glimpflich mit ihm um. Zusammen mit Jin (ja lieber Lost-Zuschauer, der spielt auch noch mit), der einzige der Hurley bei der verrückten Idee das Auto zu starten helfen will, hebt er ihn hinaus, und Roger verliert seinen Kopf.
Zwischenzeitlich findet endlich wieder eine Wiedervereinigung der Gruppe statt. Dann merkt Sawyer, dass sein Zeug weg ist und ich befürchtete schon eine Wiederholung des "Long Con"-Desasters. Aber nicht in dieser Episode, es ist zwar höchst merkwürdig, wie schnell Spurenlesernoob Sawyer den Dharma-Van und seine Freunde findet, doch er macht sich danach sehr sympathisch. Das Wiedersehen mit Hurley und Jin finde ich toll gemacht. Dann fängt er an Bier zu trinken und es kommen so ziemlich die lustigsten Dialoge von ihm. Roger wird zu "Skeletor" und dann sogar noch zu "Roger Workman", als ob sein Leben nicht schon schlimm genug war, wird er nun auch noch im Tode verspottet. Aber schon genial, dass wir tatsächlich noch die ganze Familie von Roger kennenlernen und ich wette Hurley wäre höchst überrascht, wessen Vater er eben gefunden hat.
Der Rest mit der Autosache sind eigentlich nur noch spaßige Dialoge, über die man immer wieder lachen kann. Sawyer lernt Jin Englisch und was Frauen wissen müssen. Die Spitznamen: "International House of Pancakes", "Jumbotron", wobei da natürlich Hurleys "red neck man" herausragt. Dann kommt auch noch Charlie dazu, der seine Depression kurz überwindet und tatsächlich mit einsteigt. Es ist zwar technisch unlogisch, doch Todgeweihter multipliziert mit Verfluchter schafft das offenbar. Hurleys alter Song, den er gehört hat als sein Dad abgehauen ist, ist wieder zu hören und er hat seinen Triumph.
So sehr der Spaß im Vordergrund steht, im Finale spielt dieser Dharma-Van noch eine entscheidende Rolle.

HURLEYS FLASHBACKS

Hier passiert zwar nicht viel Neues, doch Grundlagen werden gelegt für Hurleys späteren Flashforward. Alles beginnt wieder denkbar schlecht, als Mr. Clucks zusammen mit Tricia Tanaka durch einen äußerst grauenhaft animierten Meteoreinschlag zerstört wird. Danach jedoch folgt ein genialer Dialog nach dem anderen. Genial fand ich das von David: "Now, that's a hell of a Jesus." Oder auch als Carmen dem Jesus die Ohren zuhält und sagt: "I have needs", und Hurley dann durchdreht.
Genauso dann dieser Dialog:
David: "What's with the earphones?"
Hurley: "It's for the noise."
David: "Well, your mother's a very passionate woman."
Hurley: "That is disgusting."
Höhepunkt ist aber die Unterhaltung bei der Wahrsagerin, als Hurley sie bestechen will:
Hurley: "I'll give you a thousand dollars right now if admit that my dad told you to say this stuff."
Lynn: "The mystic arts are not subject to bribes. How dare you..."
Hurley: "10,000."
Lynn: "Your dad put me up to it."

SUCHE NACH JACK

Dadurch verliert diese Episode nicht ganz das Fortschreiten an Handlung. Kate möchte unbedingt Jack retten, obwohl er es ihr verboten hat. Das ist der Auslöser dafür, dass Locke und Sayid endlich dieser Stockpeilung folgen, was wiederum ungemein Samuels Plan dient, da Locke so zu den Others kommen wird. Bis dahin dauert es aber noch, ich fand es schon sehr daneben, was Kate den beiden unterstellt. Hätten denn Sayid und Locke riechen sollen, wo sie sich befinden? Am Ende kommt dann endlich wieder Rousseau zum Vorschein und wird von Kate von der Suche überzeugt, natürlich mit der Motivation endlich ihre Alex wiederzuhaben.

BODYCOUNT

Also wenn die Folge schon so heißt, muss wohl eine Tricia Tanaka sterben, ihr Kameramann stirbt aber auch. Da wir Rogers trauriges Ableben noch sehen, zähle ich es noch nicht mit.

Summe: 63

FAZIT:
Nach all den bisher todernsten Folgen, kommt wieder eine sehr lustige. Auf dem ersten Anblick wirkt sie storystoppend und lediglich die beginnende Suche nach Jack treibt die Haupthandlung etwas voran, doch im Nachhinein betrachtet, werden schon hier einige entscheidende Dinge ausgelöst. So lernen wir vollkommen unverhofft und unwissend Bens Vater kennen.


Nachgedanken:
- Hurley ist als Kandidat, der als einziger den toten Jacob sehen kann tatsächlich entscheidend für den Endkampf zwischen Jacob und MiB
- der Dharma-Van, der plötzlich wieder anspringt, ist dann vermutlich tatsächlich auf das Wirken der Insel zurückzuführen

Sonntag, 18. Oktober 2009

3/09 Stranger In A Strange Land (Erik)

Also ich finde diese Episode genial. Jack reift als Anführer und wir sehen endlich, was es mit seinen Tattoos auf sich hat, etwas das mir seit dem Piloten schlaflose Nächte bereitet hat und weswegen ich stundenlang Theorien ausgetüftelt habe. Noch dazu lernen wir die perfekt organisierten Strukturen der Others kennen, Isabel war sofort mein Lieblingscharak... So jetzt aber Schluss, schlechter als diese Folge war nur noch "Fire + Water" und auch nur, weil sich Lost damals schon in einem Tief befand. Nichts aber auch gar nichts an dieser Folge ist für später relevant, wichtig, oder auch nur annähernd interessant.
Der Höhepunkt sind aber die Thaibacks, die dieses so wichtige Tattoo-Rätsel auflösen. Bai Ling, die Skandalnudel schlechthin wird dafür gecastet. Das einzige, was mich noch im Entferntesten daran erinnert hat, dass es sich hier nicht um eine eingeschobene, schlecht geschriebene Thailand-Romanze mit Matthew Fox und Bai Ling in den Hauptrollen gehandelt hat, sondern tatsächlich um einen Lost-Flashback, war als Jack die Probleme mit seinem Vater kurz ansprach. Ansonsten raffe ich das Ding einfach nicht, Jack, Mr. Unfaith, besteht mit aller Macht auf die Tattoos, was völlig out-of-character ist. Thailänder schlagen ihn zusammen, weil er ein chinesisches Tattoo (häh, sind wir nicht in Thailand?) von der Tättowerin bekommen hat. Ich verstehe nicht mal im Ansatz, warum Achara deswegen Probleme mit ihren Leuten bekommt, wenn sie ihren Job nachgeht und einen Ami tätowiert, oder warum ihr Bruder in einem sehr fairen Fünf gegen Eins Duell, Jack darum bittet, das Land zu verlassen. "He walks amongst us, but he is not one of us." Wie kann wegen so einem Satz ein ganzes Land austicken?

STRANGER IN A STRANGE LAND

Wenn etwas perfekt zum übrigen Lost in dieser Folge passt, dann ist es der Episodentitel. Stranger, das sind wir, die Lost-Zuschauer, die diese völlig out-of-art Episode sehen mussten. Strange land, diese Episode, die tatsächlich wie fremdes Land in der ganzen Lost-Serie wirkt.

HANDLUNGEN DIE IM NICHTS VERLAUFEN

Auch auf der Insel ist alles total antilostig. Das beste noch am Anfang, Jack wird nun in den Käfig verlegt. Schon hier geht es los, ich checke einfach nicht, warum Tom hier den Glashhaus-Vergleich bringt und auch nicht, warum Jack nicht einmal nachhakt, als er keine Antwort bekommt. Juliet soll um Tode verurteilt werden, weil sie einen Other getötet hat. Nur irgendwie kommt es mir so vor, als schießen die sich sonst selbst über den Haufen, Mikhail Mrs. Klugh, und Ben veranlasst auch noch die Tötung von Bonnie und Greta. Das alles reicht noch nicht und wir erleben den wohl sinnlosesten Charakter der Others überhaupt, Isabel. Sie ist Sheriff, kann Chinesisch und ist offenbar äußerst unbequem. Noch etwas ist sie aber, sie kommt nie wieder vor und stirbt einfach, laut den Autoren, sang-und klanglos beim finalen Strandangriff. Wir haben also eine Figur, die im Nichts verläuft und noch nicht einmal eine Todesszene bekommt.
Natürlich soll Juliet umkommen, Ben liebt sie über alles und hält sie aus persönlicher Obsession auf der Insel, finde nicht nur ich diese Stelle völlig unglaubwürdig geschrieben.
Ben hält dann doch auf Drängen von Jack und Alex die Exekution ab und will sie stattdessen lieber brandmarken. Dabei sagt er den besten Satz dieser Folge: "The cavalry has arrived, at last." Nebenbei die Ethan-Enthüllung als Chirurg, schon krass was der für seine 27 Jahre alles machen musste bei den Others.
Dann die Begegnung mit Cindy und den Kindern, es hätte endlich aufgeklärt werden können, was mit denen eigentlich los ist. Stattdessen wird Jack unverständlicherweise plötzlich cholerisch und verjagt sie wieder alle. Natürlich erfahren wir, dass sie nur beobachten. Was beobachten sie? Richtig, das erfahren wir wohl nie, interessiert jetzt aber auch keinen mehr.

URSA THEODORUS

"We have to go back", der interessanteste Satz von Kate gleich zu Beginn der Episode. Die ganze Szene wirkt unglaubwürdig, sonst nimmt Kate immer egoistisch sofort die Fäden in die Hand, wenn sie sich etwas in den Kopf gesetzt hat. Hier hat sie ein Paddel in der Hand und macht nichts, außer Sawyer vorwurfsvoll anzuschauen.
Karl könnte präzise Antworten geben, was die Others eigentlich machen. Hmm "projects", was für eine aufschlussreiche Antwort. Schon seltsam, wie wenig er preisgibt über die Others und ihr Leben, aber natürlich sofort den Kitsch mit dem Teddybären-Sternbild erzählt. Ach so nicht vergessen, Sawyers bester Satz dieser Folge: "Well, sure, like the steal-the-kid-off-the-raft project. That was a humdinger."
Dann am nächsten Tag heult sich Karl aus und Sawyer führt mit ihm ein Männergespräch. Statt die Chance zu nutzen, mehr über die Others zu erfahren, schickt er ihn fort und womöglich in den sicheren Tod. Kate zickt dann rum, irgendwie verständlich, dann kommt wieder die Rede auf die Sex-Sache und das sie das nur gemacht hat, weil Sawyer fast tot war. Hmm und deshalb soll sich Kate schuldig fühlen? Raffe ich auch nicht.

JULIETS ZEICHEN

Das einzige in dieser Folge, worüber sich diskutieren ließe. Ich finde es zwar völlig an den Haaren herbeigezogen, dass Jack plötzlich auf ihrer Seite ist und ihretwegen lügt, aber gut das ist noch das geringste Übel an dieser Folge. Jedenfalls sieht es so aus wie das Frozen Donkey Wheel. Könnte ein Hinweis darauf sein, warum sie dann als einzige der Others mitflasht, zum einen weil sie nie im Tempel war, zum anderen wegen dem Zeichen, dass sie als Außenseiterin markiert. Sieht aber auch irgendwie wie ein herabfallender Stern aus. "Catch a falling star, and put it in your pocket". Ist damit Jack oder Sawyer gemeint, die Juliet als gefallenen Star nehmen sollen? Vielleicht ist aber auch die fallende Juliet im Incident gemeint.
Könnte aber auch eine umgedrehte Blume sein, ein Hinweis, darauf, dass sie später Miss LaFleur wird? Genaueres erfahren wir wohl nie, da sie jetzt tot ist. So kommt das Detail schon fast auf den Haufen anderen Unsinn dieser Episode.

Am Ende geht es nach Hause, weg von der Hydra, dorthin wo die Others leben. Damit ist dieser Handlungsstrang abgeschlossen. Wäre nicht Mittelpunkt des Ganzen Bens Operation und Rettung gewesen, so würde ich diesen Handlungsstrang ähnlich öde und storystoppend finden wie andere, aber er hat dadurch wenigstens etwas Existenzberichtigung.
Vielleicht ist auch diese Folge ein Mindgame von Ben und diese ganze Sheriff-Isabel-Juliet-Alex-"Mach es für mich"-Sache ist nur einer seiner weiteren Pläne. Glaube ich aber nicht.

BODYCOUNT

Die Handlung stirbt und irgendwie jeder Sinn dieser Episode.

Summe: 61

FAZIT:
Lost kann extreme Kontraste schaffen, mit "Flashes Before Your Eyes" ein Genistreich, mit dieser Folge ein komplettes Desaster. Nichts was hier vorkommt, wird je wieder angesprochen oder hat einen Zweck. Alle Handlungsstränge verlaufen somit im Garnichts, wodurch diese Folge wie ein Fremdkörper wirkt.
Verstärkt wird das noch durch eine Thailand-Romanze, die das Wort Flashback nicht verdient hat, in der wie erfahren, wie Jack zu seinen Tattoos kommt. Und ich frage mich, es gab ernsthaft Leute, die wissen wollten wie Jack zu seinen Tattoos kommt, obwohl diese Matthew Fox schon vorher hatte? Na wenigstens waren danach alle still und haben um Gottes Willen nicht noch gefragt, woher das "5" Tattoo kommt.


Nachgedanken:
- jegliches Nachdenken zu dieser furchtbaren Episode Lost wäre Zeitverschwendung

Samstag, 17. Oktober 2009

3/08 Flashes Before Your Eyes (Erik)

"Flashes Before Your Eyes", damit war definitiv der Zuschauer, der diese Folge gesehen hat, gemeint. Lost beschreitet einen völlig neuen Weg und wirft eines der komplexesten und schwierigsten zu verstehenden Themen in die Serie: Zeitreisen. Schon physische sind schwer zu verstehen, die psychischen von Desmond fast unmöglich. Ein Recap über diese Folge fällt schwer, ich versuche aber mein Bestes.

CLAIRES RETTUNG

Die Folge, die größtenteils off Island spielt, beginnt jedoch dort. Desmond soll Hurley und Charlie, die gerade Sawyers Versteck durchwühlen, von Ekos Tod berichten. "The island killed him" ist wieder ein Hinweis auf Samuel und das dieser ein Teil der Insel ist. Jedenfalls sollen die beiden dafür sorgen, dass die Nachricht nicht für allzu große Panik im Camp sorgt. Ich wette aber, dass die meisten waren froh waren, dass dieser unheimliche Pseudopriester von ihnen gegangen ist. Auf einmal hat Desmond eine Eingebung, genau bei dem Wort "killed", was sich stark auf seine Flashes bezüglich Charlies Tod bezieht. Nun rennt er los und rettet Claire vor dem Ertrinken. Ich fand es übrigens seltsam, dass Claire mit all ihren Sachen schwimmen geht, aber gut solche Fantasien darf ich auch haben.
Seltsamerweise hält er Charlie von allem ab, was Claire retten könnte, trägt sie am Ende selbst wie ein Superheld zu ihrem Zelt. Eigentlich war Charlie schon gerettet, als Desmond Claire aus dem Wasser trägt. Offenbar steckt mehr dahinter und Charlie durfte absolut nichts mit Claire zu tun haben. "I'll tell you how he knew -- that guy sees the future, dude." Das kommt schon ungefähr hin, was Hurley sagt, doch es ist wesentlicher komplexer. Nun versuchen Charlie und Hurley mittels Mac Cutcheon Desmond abzufüllen, um die Wahrheit zu erfahren. Sie haben genau das richtige Getränk gewählt, erinnert es ihn doch an seine Demütigung durch Widmore und das ein Schluck mehr wert ist, als was er in einem Monat verdienen könnte. Hier trinkt er ihn leer, für mich ein deutlicher Beweis, dass er durch dieses Tastendrücken ein großer Mann geworden ist, genau wie Mac Cutcheon und es nun wert ist, eine ganze Flasche zu trinken. Nachdem ausgerechnet Superfeigling Charlie ihn "coward" nennt, kommt nun die große Auflösung was passierte, als er den Fail-Safe Key gedreht hat.

BACK IN THE 1990's

Das Leben flasht an Desmond zurück und bleibt an einem ganz bestimmten Moment stehen. Er erwacht aus einer Ohnmacht und ist zurück im Jahre 1996. Er ist noch mit Penny zusammen, doch etwas ist anders. Genial gemacht fand ich die Szene, als man zuerst dachte er wäre voller Blut, dann stellt es sich als rote Farbe mit dem passenden Name "future" heraus. Für Desmond ist alles anders, eben hat er noch einen Schlüssel gedreht, nun ist sein Bewusstsein wieder im Jahr 1996. Hier nun sehen wir die erste Zeitreise im Lost-Universum. Genau zu diesem bedeutenden Ereignis in seinem Leben, der Trennung von Penny, wacht er auf mit seinem Inselwissen. Zunächst aber fand ich die Szene unglaublich toll, wie er Penny umarmt, und sagt alles ist perfekt. Ein schöner Moment in dem er leider fälschlicherweise denkt, er bekäme eine zweite Chance. Dem wird aber nicht so sein.
Seine Inselvergangenheit blitzt nun immer wieder auf, es ist 1:08 Uhr, zum ersten Mal denkt auch ein Charakter in der Show und nicht nur die Lost-Fans sofort an die Zahlen. "But if for some reason he's too daft to see how brilliant you are it's not the end of the world." Sofort erinnert er sich an seine wichtige Aufgabe und als er noch das Piepsen der Mikrowelle hört, wird es noch seltsamer. Beim Aufwachen hat er gedacht er wäre auf der Insel, nun da er wieder bei Penny ist, denkt er ist 1996 und sie stehen kurz vor der Heirat. Die Wohnung wird bereits gestrichen und Desmond will eigentlich nur noch den letzten Schritt gehen, bei Pennys Vater um ihre Hand anzuhalten. Dies hat seine Inselerinnerungen zunächst verdrängt, doch diese kommen durch seltsame Bemerkungen wieder. Das sehen wir als Nächstes, als der Postbote ein Paket für "815" bringt. Desmond erinnert sich daran, wie er die Zahlen eingegeben hat. Dann folgt das Gespräch mit dem fiesen Charles Widmore.

"YOU WILL NEVER BE A GREAT MAN"

Charles Widmore wird hier zu eine der unsympathischsten Figuren von ganz Lost gemacht, er schafft das vorallendingen durch eine geniale schauspielerische Leistung von Alan Dale. Mit dem Wissen, dass wir jetzt haben, kann ich dieses Gespräch unter völlig anderen Augen sehen. Schon hier gibt es Hinweise auf Widmores Inselvergangenheit, der Eisbär und der Dharma-Spruch: "Namaste". Schon seltsam, dass ausgerechnet der Mann, der wohl den entscheidenden Befehl zur Vernichtung von Dharma gegeben hat, so ein Bild besitzt. Er weiß, denke ich, durch Miss Hawking, dass Desmond seine Tochter noch nicht heiraten kann, also fertigt er ihn ab. Kein Universitätsabschluss, Desmond versucht sich zwar zu rechtfertigen, da er auf seine Brüder aufpassen musste, weil sein Vater, ich denke gestorben ist, Widmore unterbricht ihn arrogant und herablassend. Auch eine militärische Laufbahn hat er nicht, schon schön, dass wir den jungen Widmore als Soldaten der Others mit geklauter US-Uniform sehen werden. Doch Desmond landet auch dort und versagt.
Schließlich sagt Desmond ihm, dass er wegen Penny hier ist und Widmore bringt diesen Vergleich mit Mac Cutcheon. Hier ist er es noch nicht wert einen Tropfen zu trinken, da er nicht würdig ist. Auf der Insel schluckt er das Zeug hinter wie nichts. Ein Beweis, dass aus dem 1996 "coward" Desmond ein "great man" Desmond geworden ist. Von beiden ist das unglaublich gut gespielt und man fühlt Mitleid für Desmond, dass er so offen heruntergemacht wird. Doch schließlich wird er es auch wert sein, Penny zu heiraten, nachdem er von der Insel geflohen ist.
Natürlich darf ich den kleinen Flash nicht vergessen, als Widmore auf das Segelboot zeigt und er sagt, dass er große Segeltouren veranstaltet, der Grund warum Desmond auf der Insel landet.

"IT STARTED TO RAIN"

Als Desmond Charlie trifft, hat er wieder eine Vision und bei dem Wort "help" erinnert er sich daran, wie Charlie ihn um Hilfe in der Station gefragt hat, als Eko schlimm verwundet war. Charlie erinnert sich jedenfalls nicht an diese Begegnung, was für viele zu der Annahme führte, dass beim ersten Mal Charlie Desmond gar nicht getroffen hatte. Doch das kann nicht sein, aber dazu komme ich später. Charlie verhält sich jedenfalls genial in dieser Szene. "We are on an island, mate. This is England.", auf die Tatsache, dass er ihn mit der Insel konfrontiert. "This is why we don't do drugs.", tolle Ironie, da genau er dann Drogen nimmt.
Dann erinnert sich Desmond plötzlich an ein Ereignis, dass sehr bald geschieht, nämlich das es regnet. Seine Erinnerungen vermischen sich langsam und zumindest weiß er jetzt Teile, die auch bald geschehen werden. So sucht er seinen Freund an der Universität auf und befragt ihn nach Zeitreisen. Da haben wir es doch. Dieser ist jedoch definitiv kein Daniel und er schiebt es darauf zurück, als Desmond ihm das mit dem Computer erklärt, dass dies durch Widmore kommt. Als er sein Wissen unter Beweis stellen will, geht die Sache erst recht schief. Der Song ist der richtige, aber es spielt das falsche Team, welches kein Wunder schafft. Schön, dass endlich Fußball bei Lost vorkommt, leider gibt es das Team Graybridge nicht. Da es erst am nächsten Abend passiert, hat dieser Verein noch gar nicht gespielt, denn im Fußball findet nie die gleiche Partie zwei Tage nacheinander statt. Als auch Jimmy Lennon nicht die Bar betritt, kommt Donovan zu dem Ergebnis, dass sich Desmond das alles nur einbildet, und gibt ihm einen Rat bezüglich Penny. Diese möchte den nächsten Tag mit ihm verbringen und das Unglück nimmt nun seinen Lauf.

COURSE CORRECTION UND WHH

Im Ringladen trifft er nun die Herrin der Zeitreisen, Miss Hawking. Es war schon ziemlich überraschend, wie sie ihm das alles so offen darlegt, dass er den Ring nicht kauft, Penny das Herz bricht, auf der Insel landet, die Zahlen eingibt und durch den Fail-Safe Key alles beendet.
Um das zu beweisen, zeigt sie ihm den Tod eines Mannes mit roten Schuhen und erklärt, dass dieser Mann sterben sollte. Wenn sie ihn gewarnt hätte, hätte das Universum wieder zugeschlagen. Es existiert eine Art Course Correction. Übrigens, da ich annehme Miss Hawking weiß alles durch Dans Tagebuch von den Zeitreisen und was sie einleiten muss, damit es klappt, hat sie womöglich sofort am selben Abend hineingeschrieben: "Als ich mit Desmond Kastanien aß, starb ein Mann mit roten Schuhen durch ein Baugerüst. Wenn ich es verhindert hätte, wäre er am nächsten Tag von einem Taxi überfahren, oder hätte sich am darauffolgenden Tag in der Dusche das Genick gebrochen." Wäre eine logische Erklärung, auch wenn es sehr verwirrend und komplex ist, dass sie sich diese Erinnerung selbst gibt, aber sie ist notwendig, um Desmond zu überzeugen und nun kommen wir zum Kern dieser Folge.
In Staffel 5 lernen wir ein Zeitreisegesetz kennen, WHH, hier das andere, Course Correction. WHH ausgeschrieben Whatever happened, happened ist ganz einfach zu verstehen, alles was schon passiert is, istt passiert und kann durch nichts geändert werden. Course Correction bedeutet, dass gewisse Dinge eintreten, egal zu welcher Zeit, sie passieren einfach. Die beiden Dinge lassen sich aber so einfach nicht miteinander vereinbaren. Ein Beispiel, der Mann mit den roten Schuhen. Nach Course Correction ist es nur wichtig, dass er stirbt, egal auf welche Weise und wann. Für WHH aber ist es dazu noch wichtig, wie er stirbt und wann. Ganz einfach, wäre er nämlich am nächsten Tag von dem Taxi überfahren worden, so hätte Miss Hawking Desmond niemals einen Beweis liefern können, dass sie tatsächlich die Zukunft weiß und dieser hätte Penny geheiratet, wäre nicht auf die Insel gekommen und und und. Durch WHH aber muss der Mann durch das Baugerüst sterben, damit Desmond davon überzeugt ist, dass Miss Hawking die Zukunft kennt und die Entscheidung trifft, Penny zu verlassen.
Jetzt übertragen wir das Ganze auf Desmonds bisherige Flashes. Der Elekromagnetismus bewirkt nichts anderes, als das Desmonds Bewusstsein genau zu dem Tag mit dem Sturz von der Leiter springt und dort war er immer. Alles, die Begegnung mit Charlie, das Gespräch mit Miss Hawking, die Trennung von Penny, und auch das Niederschlagen durch Jimmy Lennon fand immer so statt. Keine alternate timeline, kein Paralleluniversum. Desmond besaß im Zeitraum von dem Leitersturz bis zum Niederschlagen durch Jimmy Lennon eine geteilte oder doppelte Erinnerung. Wieso erinnert er sich daran, dass Jimmy Lennon den Barkeeper niederschlägt? Ganz einfach, weil dies seine anscheinende Erinnerung ist, ehe er niedergeschlagen wird. Er denkt Jimmy Lennon erwischt den Barkeeper. Denn ein was steht fest: diese geteilte Erinnerung besitzt er nach dem Schlag nicht mehr und ich denke er kann sich an diesen Moment gar nicht richtig erinnern.
Wir merken also WHH und Course Correction beide Zeitgesetze treffen zu. Miss Hawking weiß natürlich durch Daniels Tagebuch von Desmonds Wichtigkeit. Doch dafür ist dann die nächste Zeitfolge da. Ich denke durch den Satz: "You may not like your path, Desmond, but pushing that button is the only truly great thing that you will ever do." Das bewirkt bei Desmond, zusammen mit dem Beweis für den Tod des Mannes mit den roten Schuhen, dass er diese tolle Beziehung zu Penny aufgibt, da er endlich erfährt, dass er für eine höhere Sache bestimmt ist. Im übrigen, da Daniels Aufzeichnungen nur bis zu den Oceanic 6 reichen, sieht Miss Hawking natürlich nicht, dass Desmond und Penny doch noch zusammen kommen.

DIE TRENNUNG

Für mich eine der traurigsten Szenen überhaupt, doch ehe es so weit ist, kommt es noch zur Aufnahme dieses Bildes, das Symbol ihrer letzten gemeinsamen Minute ist, ehe sie solange getrennt sind. Die Tatsache, dass beide auch noch nach Jahren dieses Bild bei sich tragen, zeigt mir, dass sie sich immer noch lieben, aber aufgrund der Wege des Universums vorerst getrennte Wege gehen müssen. Dieses Bild ist das Symbol ihrer Liebe und der Grund warum Penny nie aufhört, nach Desmond zu suchen und schließlich von der Insel erfährt. Ich denke das meiste Wissen bekommt sie durch ihren Vater. Die Abhörtstation, die sie besitzt, um elektromagnetische Anomalien zu finden, ist dafür wohl ein Beweis. Beiden dient es, Charles und Penny. Beide finden durch die Entladung die Insel, beide mit völlig anderen Zielen. Nur weiß eben der eine nicht, was der andere vorhat. Schon krass, dass beide Vater und Tochter aus völlig anderen Beweggründen nach der Insel suchen und diese Suche völlig unabhängig voneinander stattfindet. Penny wird wohl von der Swan erfahren haben und der Tatsache, dass durch eine Entladung die Insel ortbar sein wird.
Desmond geht jedenfalls seinen Weg, weil er glaubt, dass er dazu bestimmt ist, doch er geht noch ein letztes Mal in die Bar zurück und bekommt die Bestätigung, dass alles so gelaufen ist, wie er es vorhergesagt hat, er sich nur in der Nacht geirrt hatte. Als er die geniale Idee hat alles zu ändern, passiert das Unvermeidliche, er wird wieder ohnmächtig, seine geteilte Erinnerung verschwindet, und er kehrt zurück auf die Insel, wo er nackt im Dschungel aufwacht. Es steht natürlich für den Neuanfang, den Desmond beschreitet, aber es ist schwer zu erklären, wie das passiert ist und warum gerade ausgerechnet Locke und Eko nicht. Vielleicht liegt es sogar an seiner kurzen Zeitreise und da diese rein psychischer Natur war und nicht wie bei den späteren in Staffel 5, physische, nimmt er nur sein Bewusstsein mit, und wird nach der Rückkehr nackt zurückgeschickt, da er in einer völlig anderen Zeit war. Zwar schwer zu verstehen, aber für psychische Zeitreisen gilt wohl nicht das Gesetz, dass Dinge mitflashen, die die Leute dabeihatten. Der Fail-Safe-Key ist schließlich auch verschwunden. Bei den physischen war das anders, wie wir in Staffel 5 sehen. Die Constant-Zeitreise war aber dann wieder anderer Art, da dort sein Verstand bewusst hin und herflasht und nicht während einer langen Benommenheit in einem anderen Abschnitt seines Lebens ist.
Die Abschlussszene ist dann wieder ein emotioneller Höhepunkt, er bittet an dem Bild von Penny und sich darum, dass er eine neue Chance bekommt und einen Neuanfang. Trotz dieser ganzen komplizierten Zeitproblematik, die Beziehung zwischen den beiden stand immer im Mittelpunkt des Ganzen.

"YOU'RE GOING TO DIE CHARLIE"

Das Ende der Folge spielt wieder auf der Insel und nachdem sich Desmond wieder beruhigt hat, erklärt er Charlie die Gründe für seine Flashes und sagt nun, dass sie nicht aufgehört haben. Ich denke aber eher, diese Visionen kommen von Samuel. Das Universum hat entschieden, dass Charlie sterben muss, Course Correction. Es wäre also egal gewesen, ob er nun vom Blitz erschlagen wird, oder beim Versuch Claire zu retten, ertrinkt. Doch nun kommt WHH ins Spiel und Samuel. Charlie soll zwar sterben, aber erst im richtigen Moment, nämlich als er durch das Abschalten des Signals, dem Frachter den Weg zur Insel öffnet. Das löst entscheidende Ereignisse aus, die niemals geschehen wären, wenn Charlie durch den Blitz erschlagen worden wäre. So erklärt sich dann selbst die widersprüchliche Vision mit Claire und Aaron im Hubschrauber, die beiden fliegen nie zusammen von der Insel.
Durch diese Zeitreise glaubt Desmond daran, dass diese Ereignisse mit Charlies Tod wirklich eintreten und da er von WHH nichts weiß, denkt er, er kann das immer wieder verhindern, wie es ihm Miss Hawking mit der Course Correction erklärt hat. Auch das führt dazu, dass er Charlie erst sterben lässt, als eine Vision eintritt, für die sich Charlie bereitwillig opfern lassen lässt.

BODYCOUNT

Der berühmte Mann mit den roten Schuhen und auch Charlies Tod ist unausweislich.

Summe: 61

FAZIT:
"Flashes Before Your Eyes", eine der größten Geniestreiche bis dahin. Anstatt das Unterschichtenpublikum weiterhin mit langweiligen öden Liebeleien zu unterhalten, ist diese Folge für die wahren Fans der Serie gemacht, Fans die sich auch ernsthaft mit Lost auseinandersetzen und nicht nur der Unterhaltung wegen Schauen. Ein sehr komplexes Thema wird mit den Zeitreisen eingeführt, welches selbst den klügsten Lost-Zuschauer verwirrt. Noch dazu steht eine geniale Liebesbeziehung im Mittelpunkt des Ganzen, sodass mit dieser Folge fast alle Bereiche abgedeckt sind. Einer der ganz, ganz großen Momente.


Nachgedanken:
- unfassbarerweise muss ich an keiner dieser Theorien rütteln, da Staffel 6 in dieser Hinsicht nichts Gegenteiliges gezeigt hat
- Desmond hat deswegen ständig Zeitflashes und überlebt die Implosion, da er eine natürliche Resistenz gegen hohe Mengen Elektromagnetismus besitzt

Donnerstag, 15. Oktober 2009

3/07 Not In Portland (Erik)

Die beste der Hydra-Folgen. Ziemlich viel Action und ein endlich wieder interessanter Flashback, der uns eine neue Person näher vorstellt, prägen diese Episode. Das "I do"-Desaster wird völlig ausgeglichen.

BENS OPERATION

Sie ist wieder allgegenwärtig, doch einfach wird es nicht. Jack wird Ben sterben lassen, wenn Kate und Sawyer nicht entkommen. Hier verspekuliert sich Jack aber, denn die Hydra-Insel macht eine Flucht fast unmöglich.
Die beiden kommen jedenfalls aus ihrem Tief der Vorfolge hinaus, anstatt sich den beiden Schlägern Jason und Pickett zu ergeben, schlagen sie endlich ordentlich zu. Die Aktion mit dem elektrischen Knopf ist eine der besten gewalttätigen Szenen überhaupt in Lost. Was war mir der Sawyer da sympathisch, als er wie ein Rammbock Picketts Kopf gegen den Schalter stößt.
Nur da deren Flucht nicht lange von Erfolg gekrönt sein kann, schlägt Juliet zunächst eine Verfolgung vor. Da sie noch immer auf dem "Ben soll sterben"-Trip ist, ist es ihr auch egal, ob die beiden dabei sterben. Als Jack ihren Plan enthüllt, beginnt die Situation zu eskalieren, und Tom schickt sie erst einmal weg. Es ist genial, dass genau in diesem Moment Ben aufwacht und alles mitbekommt was los ist. In dieser Lage halbtot schafft er es dennoch, einen Plan zu entwickeln, damit beide, Jack und Juliet, sein Leben wieder retten sollen. Juliet verspricht er, wie wir am Ende hören, dass sie von der Insel kommt. Es ist eine Riesenironie, dass Juliet noch in etwa die gleiche Zeit, die sie bisher auf der Insel ist, noch einmal verweilen wird. Ohne Happy Ending aber.
Sie soll nun helfen, dass Kate und Sawyer entkommen und nicht von Pickett getötet werden. Diese Schießereien waren übrigens das schlechteste an dieser sonst sehr guten Folge. Die Others, die wunderbar mit kleinen Giftpfeilen haargenau jemanden abschießen konnten, treffen natürlich nur Kates Walkie, und auch dann ein Dutzend Mal daneben. Ab diesem Zeitpunkt ist der einzige Zweck von Kate und Sawyer eigentlich nur noch, dass sie entkommen, damit Jack die Operation auch wirklich beendet. Dabei hilft ihnen Alex mit, die passenderweise ein Boot hat, mit dem sie entkommen können. Die Launen seiner Tochter werden Ben aber erst am Ende der Staffel zum Verhängnis, hier helfen sie ihm noch.
Jedenfalls, nachdem sie Karl befreit haben und dieser mit auf das Boot darf, hat Ben sogar zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Alex soll hierbleiben, damit sich Ben nach seinem Aufwachen beruhigt und Karl nicht töten lässt. Alles ist eigentlich geschafft, außer Pickett, der immer noch nicht gecheckt hat, dass nur durch Kates und Sawyers Entkommen Ben gerettet wird. "I know Ben would rather die than let them go." Ging es nicht denn genau darum, dass durch die beiden Bens Leben gerettet werden soll? Wenigstens erlöst uns dann Juliet von ihm. Der hatte übrigens eine gefühlte Ewigkeit Zeit, Sawyer zu erschießen.
Schließlich lässt Juliet sie laufen, wie von Ben angeordnet, und nachdem Kate noch einmal diese Geschichte mit dem "Bis 5 Zählen" wie verlangt zu Jack sagt, bringt dieser die Operation endgültig zu einem guten Ende. Genial gemacht übrigens, dass Tom kein Blut sehen kann, und wie Jack ihm den Tumor zeigt. Das machte Tom, glaube ich, bei einigen Lost-Fans sympathisch. Währenddessen schippern Kate und Sawyer davon.
Glückwunsch Samuel, Glückwunsch Ben. Ein gigantischer Plan, um die Insel und Jacob zu täuschen ist perfekt gelungen, Jacobs späterer Mörder wird weiterleben. Nun kann der nächste Schritt eingeleitet werden.

ROOM 23

Mit am interessantesten in dieser Folge ist dieser Room 23. Die Idee ist so brutal und verstörend, jemanden mit lauter Musik und seltsamen Bildern, in den Wahnsinn zu treiben. Offenbar hat Dharma so den Willen der meisten gebrochen, die als Testpersonen bei irgendwelchen Experimenten mitarbeiten sollten. Interessant fand ich besonders die Sätze die auftauchen: "EVERYTHING CHANGES", hoffentlich aber keine Anspielung auf eine geänderte Zeitlinie, sondern das sich so einige Dinge ändern werden. Ich sehe es aber auch als Hint auf Hurley = Variable. Übrigens taucht kurz danach ein Kompass auf.
"We are the causes of our own suffering", geniale Anspielung darauf, dass die Losties durch die Wasserstoffbombe wohl ihren eigenen Absturz ausgelöst haben. Und ist es Zufall, dass dieser Satz in einer Juliet-Folge vorkommt? Bekanntermaßen diejenige, die den Zündmechanismus erst hochgehen lässt.

"God loves you as He loved Jacob" Jacob", eine weitere diesmal bessere Erwähnung von Jacob. Besondere Betonung liegt hier auf das loved, die Vergangenheitsform. Liebt Gott wirklich noch Jacob, wenn er ihn durch seinen bösen Gegenspieler sterben lässt? Oder ist das tatsächlich wie bei Jesus. Bitte nicht, allzusehr muss Lost nicht in das Religiöse abdriften.
"THINK ABOUT YOUR LIFE", eines der zentralen Themen der Flashbacks der Losties, und das sie mit ihrer eigenen Vergangenheit klarkommen müssen, und darüber nachdenken, ob sie nicht etwas besser machen sollen. Zwei der Besucher dieses Raumes, mit völlig unterschiedlichem Ausgang. Sawyer wird sein Leben ändern, Kate eher nicht.

Außerdem taucht hier nicht hörbar der Satz auf: "Only fools are enslaved by time and space". Das Thema Zeitreisen wird hier schon angedeutet, nächste Folge geht es dann noch deutlicher in diese Richtung. Die Autoren haben bestätigt, dass dies ein Anagramm ist zur Auflösung von Adam und Eva. Zufällig hat das jemand geknackt, und da kam das raus: "Bones of Nadlers may lay lost deep in cave". Nach Staffel 5 verfestigte sich das dann, ich warte eigentlich nur noch auf die Auflösung.

JULIETS FLASHBACKS

Nach diesen ganzen Tiefs der Flashbacks musste etwas Neues her. Juliet vorzustellen war genial, und gerade dieser Flashback ruft mir in Erinnerung wie sympathisch dieser Charakter doch war, und wie massiv er durch diesen Beziehungsmist zerstört wurde. Schon die Anfangsszene ist genial, wir denken Juliet ist auf der Insel, und führt an irgendeinem armen Testobjekt Experimente durch. Dann stellt sich heraus, dass dieses Testobjekt ihre Schwester ist und sie sich in Miami befinden. Passend fliegt genau in dem Moment ein Oceanic-Flieger vorbei.
Trotz Scheidung arbeitet sie bei ihrem Ex-Mann weiter und es ist einfach toll, dass gerade dies nicht Inhalt des Flashbacks ist, sondern ihre Forschungen, die sie an ihrer Schwester ausprobiert. Wir haben hier eine Anspielung auf eine unbefleckte Empfängnis und tatsächlich ist es genial, was Juliet hier hinkriegt.
Kein Wunder, dass Mittellos Bioscience auf sie aufmerksam wird. Genial wir kriegen nicht nur Ethan wieder zu sehen, sondern einer der genialsten Charaktere überhaupt, hat seinen ersten Auftritt, Richard Alpert. Bei den ganzen Zeitanspielungen ist es natürlich toll, dass er ausgerechnet in dieser Folge zum ersten Mal vorkommt. Wir merken, dass die Others weit mächtiger sind als nur ein paar verlassene Dharma-Stationen zu kontrollieren. Beängstigend war es schon wie sie Edmund aus dem Verkehr gezogen haben, genau wie durch Juliet angekündigt. Der Satz "Not in Portland" ist so schön widersprüchlich in Bezug auf Ben. Juliet wird angeblich nicht nach Portland kommen, sondern auf die Insel. Ben, der behauptet sein ganzes Leben auf der Insel verbracht zu haben, wird in einem Wald bei Portland geboren.
Auch toll wie Juliet behauptet: "I'm not a leader, Mr. Alpert. I'm a mess." in der Episode ist sie kurz in der Führungsposition und muss wichtige Entscheidungen treffen.
Edmund kommt mir sehr seltsam vor, ist gefühlte dreißig Jahre älter als Juliet, war aber dennoch mit ihr verheiratet und flirtet schon wieder mit einer anderen rum, die auch nicht viel älter aussieht als Juliet. Da hat sich bei mir der Verdacht bestätigt, Juliet hat sich hochgeschlafen.

BODYCOUNT

Endlich wird "Stuart" Pickett getötet und Edmund wird von einem Bus überfahren.

Summe: 60

FAZIT:
Grandios, eine solche Episode muss man einfach lieben. Actionreiche Hydra-Inselhandlung gepaart mit sehr guten Flashbacks. Ben wird gerettet, wir sehen Room 23 und Pickett wird getötet. Es ist zu keiner Sekunde langweilig, besser kann Lost fast gar nicht sein, oder? Es gibt noch weitere Steigerungen, die erste schon in der nächste Folge.


Nachgedanken:
- der Satz: "We are the causes of our own suffering" trifft wie kein zweiter auf die Losties zu, welche durch die Detonation der Wasserstoffbombe letztlich ihren eigenen Absturz verursacht haben; ist trifft auch auf Juliet zu, welche erst durch den Incident das Schwangerschaftsproblem auf der Insel verursacht, weshalb sie auf die Insel kommt; genauso trifft es zu auf Ben, welcher Sayid zu einem gewissenlosen Killer manipuliert und dann von selbigen angeschossen wird, als er selbst ein Kind war, weshalb Ben erst zu dem Menschen wurde, der er jetzt ist
- das Anagramm hat sich leider als falsche Fährte herausgestellt, trotzdem wäre die Lösung immer noch tausendmal besser gewesen als die eigentliche in der Serie gezeigte
- Ethan wurde wahrscheinlich bei Mittelos als Chirurg ausgebildet, Mittelos selbst konnte vermutlich nach der Übernahme von Dharma von den Others gegründet werden
- Room 23 diente der Dharma, wie im Epilog zu sehen ist, dazu mehr über die Others und Jacob zu erfahren